FAZ: Kirche vor Ort stärken! In der Frankfurter Allgemeinen wird die Situation der evangelischen Kirche kommentiert.

„Für die Kirchen wäre schon viel gewonnen, wenn sie ihrer Mitarbeiterschaft halbwegs trennscharf vermitteln könnten, an welchen Stellen man die Entwicklung hinnehmen muss und wo man alle verbliebene Energie aufbieten muss, weil sich durch Anstrengung etwas erreichen lässt. In diese Kategorie fallen teils ganz einfache Dinge: eine bessere Erreichbarkeit der Hauptamtlichen vor Ort, die sorgfältige Vorbereitung von Trauungen, Taufen und Beerdigungen, verstärkte Bemühungen um Face-to-Face-Kontakt zur eigenen Mitgliedschaft, insbesondere in den Städten und zu den jüngeren Alterskohorten. Es bleibt ein Rätsel, wie in der Vergangenheit bei solch basalen Aufgaben der Schlendrian einkehren konnte.“

Die doppelte Zäsur hin zu einer armen Minderheitskirche macht einen Mentalitätswechsel erforderlich, vielleicht auch eine Änderung der eigenen Anreizsysteme. Bislang wurde fast alles Geld von oben über die kirchliche Landschaft verteilt. Wer innerhalb der Hierarchie über ausreichenden Zuspruch verfügte, hatte somit nichts zu befürchten und konnte sich entspannt zurücklehnen, falls er es wollte. Künftig muss es darum gehen, die verbleibenden Ressourcen viel entschlossener dorthin zu lenken, wo die Bindung der eigenen Mitglieder gestärkt wird und wo die Kirche nach außen hin sichtbar wird. Es gibt viele tausend Gemeinden, Pfarrer, Kirchenmusiker, Diakone und Ehrenamtliche, die das schon lange Tag für Tag leisten. Sie müssen gestärkt werden, damit nicht auch noch der agile Teil des kirchlichen Apparats in jene resignativ-passive Grundhaltung verfällt, über die intern zunehmend geklagt wird.


http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/den-christlichen-kirchen-fehlt-es-an-mitgliedernachwuchs-15738039.html?GEPC=s2

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