Vorsicht! Satire: Kirche der Zukunft Ein nicht ganz so ernst gemeinter Blick ins Jahr 2035

Die rheinische Landeskirche hat einen Weg eingeschlagen, auf dem zur Bewältigung der erwarteten Finanz- und Mitgliederkrise massive Einsparungen in den Gemeinden und allen anderen kirchlichen Handlungsfeldern vorgenommen werden. Nur im Bereich von Verwaltung und Finanzorganisation wird massiv investiert. Wie kann das sein, dass die Reduzierung des Kerngeschäfts zur Ausweitung der nachgeordneten Dienste führt? Und wohin soll das führen? Vielleicht in diese Zukunft?: Artikel lesen

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Den Reformprozessen fehlt es an gesundem Menschenverstand Prof. Gerhard Wegner von der Uni Marburg und Redakteur Rheinhard Bingener von der FAZ zu den Ergebnissen der KMU V.

Der Kirchentag ist vorbei. Und? Sind wir, was unsere Kirche betrifft, nun klug geworden? Oder zumindest etwas schlauer als vorher? Wer in Stuttgart dabei war, konnte – wie auf den vergangenen Kirchentagen zuvor – wieder einmal feststellen, dass Kirche von der Basis her lebt und in die Welt hinein wirkt: bunt, vielfältig, überzeugend, menschennah, spannend, phantasievoll – so geht Kirche! Natürlich braucht es die Organisation, die Logistik im Hintergrund, die Raum für die Entfaltung der Menschen schafft. Aber das Herz der Kirche ist eben nicht die Verwaltung, wie es jüngst eine Superintendentin in ihrer Predigt formulierte. Das Herz der Kirche ist der Glaube, für den die Menschen vor Ort und gegenüber der Welt mit ihren Worten und Taten einstehen und werben – je konkreter desto besser.  Artikel lesen

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Was sich liebt, das neckt sich Siegfried Eckert zu Besuch in Pfarrkonvent Köln-Rechtsrheinisch

Bei dem Konvent am 22. April in Köln-Neubrück waren knapp dreißig Kolleginnen und Kollegen (ein recht gut, aber nicht überdurchschnittlich besuchter Konvent) anwesend, die alle mit großer Sympathie auf den Referenten reagierten. Ich habe niemanden wahrgenommen, der oder die sich mit kritischer Einstellung gemeldet hat. Artikel lesen

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SOS Pfarrdienst! Ein Umsteuern ist dringend erforderlich

Man muss Alarm schlagen. Vor allem in den strukturschwachen Peripherieregionen der evangelischen Kirche im Rheinland ist die Grundversorgung pastoraler Dienste nicht mehr gesichert. Immer häufiger treten Situationen auf, in denen Menschen händeringend nach einem Pfarrer oder einer Pfarrerin suchen, weil eine Beerdigung, ein Hochzeitsjubiläum oder eine Trauung ansteht. In den ländlichen Kirchenkreisen treten zum Teil erhebliche Lücken bei der Notfallseelsorge auf. Die Demographie schlägt hier voll zu. Pfarrerinnen und Pfarrer werden immer weniger und immer älter. Verbindet sich dieser Tatbestand mit einem repressiven, wenig einfühlsamen Leitungsstil auf Kirchenkreisebene, steigt der Krankenstand. Kolleginnen und Kollegen gehen aus Gesundheitsgründen vorzeitig in Pension, die Belastung für die verbliebenen wächst. Diese Situation ist für unsere Kirche brandgefährlich. Wenn Menschen in Krisensituationen nicht mehr zeitnah einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin finden, baut sich Frust auf, der den Mitgliederverlust beschleunigen dürfte. Artikel lesen

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Zwischen digitaler Revolution und administrativer Wende Der Protestantismus der Jahre 2017 bis 2045: Auszug aus dem Handbuch der Neueren und Neuesten Kirchengeschichte, Band II: Der Protestantismus im 21. Jahrhundert - ein Gastbeitrag von Holger Pyka

Stefan Große-Gschaftlhubers Stegreifrede und die administrative Wende

Ein Meilenstein in der weiteren Entwicklung des landeskirchlich verfassten Protestantismus war die Einrichtung des Evangelischen Zentralinstituts für theologische Verwaltungsfragen, mit dessen Leitung Oberkirchenrat Stefan Große-Gschaftlhuber betraut wurde. Große-Gschaftlhuber selbst hatte die Gründung angeregt: In seiner Stegreifrede auf dem Stuttgarter Kirchentag, deren Eingangsfeststellung „Wir können als Menschen Verwaltung nicht verstehen, wir dürfen als Theologen mit Verwaltung leben“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist, erläuterte Große-Gschaftlhuber anhand u.a. der Tora-Übergabegeschichten des Alten Testaments und des Augustinischen Volkszensus im Prolog der Weihnachtsgeschichte Lk 2, in welchem Maße die Heilsgeschichte seit jeher von höchstinstanzlichen Verwaltungsentscheidungen abhängig gewesen sei. Zahlreiche neutestamentliche Figuren, wie der Apostel Paulus, die sprichwörtlichen Zöllner oder der äthiopische Hofbeamte galten Große-Gschaftlhuber als exemplarische Vertreter des antiken Beamtentums, die selbstverständliche Gesprächs- und Kooperationspartner, ja bedeutende Trägerkreise des Urchristentums darstellten. In den Verwaltungsentscheidungen und –strukturen der Kirche sah Große-Gschaftlhuber demnach nicht nur die Verwirklichung der neutestamentlichen Forderung nach „guter Haushalterschaft“, sondern auch, unter Rekurs auf den priesterschriftlichen Schöpfungsbericht und 1 Kor 14,33 („Gott ist kein Gott der Unordnung“), das auch in der Confessio Augustana aufgenommen wird, eine imitatio des ordnenden Schöpfungshandelns Gottes, mithin ein Instrument der creatio continua. Die Aussage, dass den Texten und Strukturen kirchlicher Verwaltung damit neben der Bibel Offenbarungscharakter zukäme, findet sich expressis verbis in Große-Gschaftlhubers Stegreifrede noch nicht, wird jedoch, u.a. in seiner Forderung nach einer „kultürlichen“, „bürokratischen“ oder „administrativen Theologie“, hier schon vorweggenommen und in der EKD-Denkschrift „Die gute Haushalterschaft – Das Verhältnis von Theologie und Verwaltung“ von 2019 entfaltet. Artikel lesen

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Massiver Eingriff in die Finanzhoheit Haushalte sind ab 2016 genehmigungspflichtig

Bei den Veränderungen der Verwaltungsordnung, die die Kirchenleitung Ende November 2014 beschlossen hat, handelt es sich um den wohl massivsten Eingriff in unsere Kirchenverfassung seit Jahren. Ab dem Haushaltsjahr 2016 muss jeder kirchliche Haushalt vom übergeordneten Leitungsgremium genehmigt werden. In Frage steht die Genehmigung wenn eine „Gefährdung des Haushaltsausgleichs“ vorliegt. Ein Indiz hierfür soll die geplante Rücklagenentnahme sein. Artikel lesen

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Kirche vor Ort und bei den Menschen Plädoyer für eine Stärkung der ersten Ebene der EKiR.

1. Die Schwächung der ersten Ebene

Zusammenfassung:
Die erste Ebene1)Unter der ersten Ebene verstehe ich alle Kirchengemeinden (Parochien), Einrichtungen und Werke der EKiR, die in der Fläche vor Ort Dienst am Menschen tun. Die zweite und dritte Ebene sind demnach der Kirchenkreis und die Landeskirche in ihren organisatorischen und verwaltungstechnischen Funktionen. (Kirchengemeinden, Einrichtungen und Werke) wird durch strukturelle Umbau- und Sparmaßnahmen in unserer Landeskirche geschwächt:

  • organisatorisch: Kompetenzen sind auf Kirchenkreis-, Landeskirchen- und EKD-Ebene verschoben worden, Aufsichtsfunktionen des KSV und der KL wurden erweitert
  • finanziell: trotz steigender Kirchensteuereinnahmen kommen weniger Geldmittel für menschenorientierte Arbeit vor Ort an, während auf den Ebenen der Kirchenkreise und Landeskirche in sachbezogene Dienstleitungen investiert wird
  • strategisch: der sachbezogene Aspekt von Leitung tritt gegenüber einem personenbezogenen und -beeinflussenden Führungsstil zurück: Bevormundung ersetzt Dienst, Zentralismus ersetzt Subsidiarität

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Anmerkungen   [ + ]

1. Unter der ersten Ebene verstehe ich alle Kirchengemeinden (Parochien), Einrichtungen und Werke der EKiR, die in der Fläche vor Ort Dienst am Menschen tun. Die zweite und dritte Ebene sind demnach der Kirchenkreis und die Landeskirche in ihren organisatorischen und verwaltungstechnischen Funktionen.

EKiR Landessynode 2015: Licht und Schatten Umkehr ist nötig - ein "Weiter so" schadet

Wer von der Landessynode 2015 der Ev. Kirche im Rheinland substanzielle Veränderungen zum Besseren hin erwartet hatte, musste enttäuscht werden. Zu groß ist noch die Dominanz derer, die die Situation unter vorrangig fiskalischen Gesichtspunkten bewerten. Im Mittelpunkt stand das Projekt „Haushaltskonsolidierung“, das von der Synode ohne große Veränderungen beschlossen wurde. Im Vorfeld erwies sich die Kirchenleitung in Detaillefragen offen wie selten zuvor. Was die Einrichtung und Gestaltung der einzelnen Räume des umgebauten Kirchengebäudes angeht, ließ man große Spielräume. Die Grundzüge des Bauplans standen aber nie ernsthaft zu Debatte. Grundsätzliche Anfragen wurden abgewehrt oder ignoriert – und zwar schon 2013, als die Kirchenleitung mit ihrem Sparprogramm an die Öffentlichkeit trat. Letztlich war es diese Unbeweglichkeit in Grundsatzfragen, die Fehlentwicklungen geradezu zementiert, die zur Gründung der Initiative „KirchenBunt“ im Sommer 2014 führte. Artikel lesen

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Sparen in fetten Jahren! Siegfried Eckert - Pfarrer, Autor und Landessynodaler - blickt kritisch auf die Synode zurück

Unter der Losung „Wie Gott zur Welt kommt“ hat die zweitgrößte und finanzstärkste Landeskirche der EKD auf ihrer rheinischen Synode in Bad Neuenahr den eingeschlagenen Sparkurs ungebremst fortgesetzt. Bei vier Enthaltungen wurde das alternativlos vorgelegte Paket „Haushaltskonsolidierung“ ohne größere Widerstände angenommen. Strategische Ziele, wie es neuerdings heißt, blieben im Nebel. Artikel lesen

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Die Finanzkraft der Kirche und die Mitgliederentwicklung Argumente verbrauchen sich, wenn sie permanent von der Wirklichkeit widerlegt werden

Ende der achtziger Jahre thematisierte eine EKD-Studie zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen kirchlicher Finanzkraft und Mitgliederentwicklung. Der demographische Wandel trat damals nicht nur im Blick auf die Sozialsysteme, sondern nun auch kirchenpolitisch motiviert als Schreckgespenst in Erscheinung. 2005 und 2006 wurde die Aussage, dass die negative Mitgliederentwicklung die kirchliche Finanzkraft dramatisch reduzieren würde, durch die Aufnahme in das EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ (KdF) „kanonisiert“. Im Rheinland wurde werbewirksam die „Einfache Formel“ entwickelt, dass bis zum Jahr 2030 die Evangelische Kirche nur noch 2/3 ihres Mitgliederbestandes und die Hälfte der Finanzkraft gegenüber dem Basisjahr 2002 haben würde. „Die Zeiten steigender Kirchensteuereinnahmen sind ein für allemal vorbei“ – diese Aussage wurde dutzendfach von Oberkirchenräten und Superintendenten vorgetragen, um die Kirche auf einen drastischen Spar- und Umbauprozess einzustimmen.  Artikel lesen

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