Christians for Future?

Kommentar zum schwindenden Hoffnungspotential des deutschen Protestantismus

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

Römerbrief 5,1-5

Ist es nicht naiv, in diesen Zeiten von Hoffnung zu reden? Der Zustand unseres Planeten ist zutiefst besorgniserregend. Es gibt eine umfassende ökologische Krise, die weit über die schädlichen Wirkungen des Klimawandels hinausgeht. Autoritär-populistische Strömungen sind zunehmend erfolgreich, sodass man von einer Krise demokratischer Systeme reden kann. Dies erhöht nicht nur internationale Spannungen, es steigert auch die ökonomischen Probleme, wenn z.B. Zölle als politische Waffe eingesetzt werden. Soziale und kulturelle Gegensätze verschärfen sich in einer Weise, dass selbst in demokratisch verfassten Staaten kaum mehr ein Konsens über eine gemeinsame Wertebasis auszumachen ist. In dieser Welt leben wir – auch als Christen. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen Kraft und Hoffnung zu geben durch die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus. 

Hoffnungsträger 

Hoffnung geht jedoch selten von kirchenleitenden Gremien aus. Hoffnungsträger sind da eher junge Menschen, die seit einiger Zeit unter der Überschrift „Fridays for future“ von sich reden machen.

Es ist ein Spätsommer-Abend in einem kleinen Dorf im nördlichen Westerwald. In der Dorfkirche sind etwa 80-100 meist junge Menschen zusammengekommen. „Powerstation“ nennt sich das Gottesdienstformat. Moderne Lieder werden, von einer Band begleitet, kräftig mitgesungen. Ein Mehrgenerationenchor ist dabei. Kompetent und engagiert tragen Schüler eine Power-Point-Präsentation zum Klimawandel vor. Mit jugendlicher Unbedingtheit wirbt eine junge Frau für eine vegane Lebensweise. Tipps zum umweltschonenden Verhalten beim Einkaufen und bei der Haushaltsführung werden vermittelt. Schließlich stellen Frauen aus dem Weltladen der benachbarten Kreisstadt Altenkirchen ihre Arbeit vor. Eine Mut machende Verkündigung mit christologischen und schöpfungstheologischen Akzentsetzungen bildet den Mittelpunkt des Gottesdienstes, der bewegt und Hoffnung weckt.

Nach dem Gottesdienst gibt es bei Getränken und vegetarischen und veganen Häppchen Gelegenheit zum Gespräch. Es ist bemerkenswert, wie nüchtern die Jugendlichen ihre Situation wahrnehmen. Extremen politischen Forderungen begegne ich nicht. Ich nehme  Menschen wahr, die auch in Jahrzehnten halbwegs sorgenfrei in einer intakten Umwelt leben wollen. Sie möchten auch im Jahr 2060 noch, wenn sie Mitte 50 bis Mitte 60 Jahre alt sind, einen Waldspaziergang machen, sich Morgens und Abends am Gesang der Vögel und an der schönen Landschaft im nördlichen Westerwald erfreuen, keine Geldsorgen haben, gesunde Lebensmittel verzehren und ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt hinterlassen. Es sind bescheidene Wünsche, für die sie persönlich Einschnitte in Kauf nehmen und ihren Lebensstil verändern. 

Es ist ein beeindruckender Abend. Und die Sehnsüchte der Jugendlichen decken sich mit den Verheißungen der Bibel, wie sie z.B. in Jesaja 65,20-23 dargestellt werden:  „Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.“

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Gespräche am Marktrand

Die drei Gemeindebünde aus Bayern, Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz und dem Rheinland teilten sich beim diesjährigen Kirchentag in Dortmund gemeinsam ein Stand auf dem Markt der Möglichkeiten, um für ihren basisorientierten Kurs zu werben. Leider war der Standort nicht gerade günstig (am Rande nahe eines Notausgangs) und die georderten Tische und Stühle warn auch nicht da, so dass wir kurzfristig für Ersatz sorgen mussten.

Dennoch hat sich das Engagement gelohnt, wurden doch im Laufe der drei Tage etliche interessante Gespräche geführt, um auf die teilweise prekäre Situation in den Gemeinden hinzuweisen und für eine Stärkung der Parochie zu werben. Bis auf wenige Ausnahmen stieß man generell auf breite Zustimmung. Gerade Mitglieder von Gemeindeleitungsgremien pflichteten uns bei. Allerdings wurde auch deutlich, dass viele innerlich schon aufgegeben haben und die Ressourcenumverteilungen hinnehmen.

Gemeinsam für die Kirche vor Ort eintreten: Vertreter der Gemeindebünde aus Bayern, Berlin und dem Rheinland auf dem Kirchentag in Dortmund.

Jedenfalls wurde von den drei anwesenden Gemiendebünden schon der nächste ökumenische Kirchentag in Frankfurt ins Auge gefasst. Auch dort wollen wir wieder gemeinsam für unsere Anliegen werben. Wir freuen uns darauf.

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Kirchentag in Dortmund – wir sind dabei!

Gemeinsam mit den Gemeindebünden Berlin-Brandenburg und Bayern wird auch KirchenBunt im Rheinland auf dem diesjährigen Kirchentag präsent sein. Unser Stand auf dem Markt der Möglichkeiten befindet sich in Halle 7, Südost unter der Chiffre L17. Wir freuen uns auf viele nette Menschen, interessante Begegnungen und bereichernde Gespräche. Besuchen Sie uns!

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Politik mit Prognosen

Schöne Bescherung: Erneut Allzeithoch bei Kirchensteuereinnahmen!

„Geld ist … nicht nur ein Mittel, um den Verkündigungsauftrag zu erfüllen. Die Art, wie die Kirche mit ihrem Geld umgeht, ist selbst ein Teil glaubwürdiger Verkündigung. Wort und Tat müssen im Einklang miteinander stehen. Hier hat sich die Parallelität von christlicher Botschaft und kirchlichem Handeln zu bewähren. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht nur nach innen, sondern insbesondere auch im öffentlichen Raum.“ (Aus dem Bericht der Höppner-Kommission an die Landessynode 2013)

Ein Beispiel unter Vielen zu Anfang: in einem ländlichen Kirchenkreis haben 3 Kirchengemeinden fusioniert. Die Familie Müller lebt in einem Dorf mit 800 Einwohnern und eigener Kirche. Bis vor kurzem gab es auch ein Gemeindehaus, in das der Sohn Max zum Konfirmandenunterricht ging. Doch das Gemeindehaus wurde verkauft. Jetzt muss Max zum Unterricht in die 10 km entfernte Kreisstadt. Seine Oma ging gerne zur Frauenhilfe. Sie ist gehbehindert und auf einen Rollator angewiesen. Auch die Frauenhilfen wurden zusammengelegt und treffen sich nun im großen Gemeindehaus der Stadt. Oma Müller kann kaum mehr teilnehmen. Bei ihr sind schon Tränen geflossen. Die Zentralisierung der Frauenhilfe empfindet die Familie als lieblos. Die Eltern Müller sind drauf und dran, ihren Sohn Max vom Konfirmandenunterricht abzumelden, zumal sie vor einigen Tagen in ihrer Zeitung gelesen haben, dass die Kirchensteuereinnahmen erneut gestiegen sind. Und sie sehen an ihrer Gehaltsabrechnung, dass sich auch ihr eigener Kirchensteuerbeitrag in den vergangenen Jahren erheblich erhöht hat. Sie zahlen immer mehr, und die Kirche zieht sich immer weiter von ihnen zurück. Das verdirbt die Stimmung.

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Sachsen: „Zurück auf Los“ fordert Stopp der Regionalisierung Runder Tisch soll Dialog zwischen Kirchenleitung und Gemeinden initiieren

„Eine wichtige Erkenntnis der Reformation ist also, daß die Kirche die Gemeinde derer ist, die sich tatsächlich gemeinsam versammeln, um Gottesdienst und Sakramente zu feiern. An diese geistliche Größe, die an sich keine besondere Organisationsform verlangt, knüpfen die evangelischen Kirchen von jeher ihre juristische Struktur an. Die evangelische Kirche baut sich von unten auf. In der spezifisch deutschen Form der Landeskirche ist die Gemeinde dann eine „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Daß die Ortsgemeinde selbständig ist und ihre organisatorischen Angelegenheiten selbst regelt, ist tief im Erbgut evangelischer Christen verankert. Deshalb – und weil es aus der Logik der Gemeindearbeit nicht erklärt werden kann – trifft die Regionalisierung auf Ablehnung und Widerstand. Vorgaben werden nicht umgesetzt, weil man sie einsieht, sondern weil man sich fügt.“ Continue reading

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Westfalen: zusätzlich 3, 5 Mio für NKF Auch in Westfalen wird die Einführung des neuen Finanzmanagementsystems teurer.

Die Umstellung auf die doppische Buchführung und Einführung des NKF wird auch in Westfalen teurer. Aufgrund der Erfahrungen, die man in der Pilotphase bisher gemacht hat, ist man zu dem Schluss gekommen, dass die „Kreiskirchenämter in der Umstellungsphase noch besser unterstützt werden“ müsssen. Continue reading

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FAZ: Kirche vor Ort stärken! In der Frankfurter Allgemeinen wird die Situation der evangelischen Kirche kommentiert.

„Für die Kirchen wäre schon viel gewonnen, wenn sie ihrer Mitarbeiterschaft halbwegs trennscharf vermitteln könnten, an welchen Stellen man die Entwicklung hinnehmen muss und wo man alle verbliebene Energie aufbieten muss, weil sich durch Anstrengung etwas erreichen lässt. In diese Kategorie fallen teils ganz einfache Dinge: eine bessere Erreichbarkeit der Hauptamtlichen vor Ort, die sorgfältige Vorbereitung von Trauungen, Taufen und Beerdigungen, verstärkte Bemühungen um Face-to-Face-Kontakt zur eigenen Mitgliedschaft, insbesondere in den Städten und zu den jüngeren Alterskohorten. Es bleibt ein Rätsel, wie in der Vergangenheit bei solch basalen Aufgaben der Schlendrian einkehren konnte.“ Continue reading

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Sachsen: „Strukturreform ist eine historische Fehlentscheidung“ Initiativgruppe lädt als Protestaktion zum "Tag der Ermutigung" auf.

„… eigentlich wäre es ganz einfach gewesen: jeder Pfarrer hat seinen Pfarrbezirk, die Kantoren und Gemeindepädagogen werden wegen Auskömmlichkeit beim Kirchenbezirk angestellt, die Gemeinden arbeiten auf Pfarrbezirksebene zusammen. Stattdessen hält die Landeskirche an der Einführung von Großregionen fest und zwingt die Gemeinden in komplizierte Struktureinheiten. Die Regionalisierungswelle rollt. Diese Strukturreform ist eine historische Fehlentscheidung. Eine der schlimmsten Folgen davon ist die Entmutigung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Das tue ich mir nicht an“, sagen viele, wenn sie gegen die eigene Überzeugung und gegen die tatsächliche Notwendigkeit fusionieren oder in unpraktikablen Gremien zusammenarbeiten müssen. Durch diese Reform wird kein Mitarbeiter gewonnen sondern viele verloren.“ Continue reading

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Lasst uns ein Ende mit dem „Ende der Volkskirche“ machen!
 Ein Kommentar von Stephan Sticherling (erstmalig veröffentlicht am 4. Juni 2018 unter http://dreimalvier.jimdofree.com.

Es ist inzwischen mit Händen zu greifen: Das vermeintliche „Ende der Volkskirche“ ist in Wirklichkeit ihre Selbstabschaffung. Etliche Kirchen werden aufgegeben, Stellen gestrichen, Gemeinden zu Riesengebilden zusammenfusioniert, aus Ortsgemeinden werden regionale Einheiten. Die Kirche zieht sich aus der flächendeckenden Präsenz zurück, sie verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung. Begleitet wird dieser Prozess durch ein Glaubensbekenntnis, dass schon beinahe zur unbezweifelten Selbstverständlichkeit zählt: „Die Zeit der Volkskirche geht zu Ende“. Das wird aus den anhaltenden Kirchenaustritten gefolgert und aus den „Kirchen, die immer leerer werden“ – wieder so eine stereotype Formulierung, die in den Medien regelmäßig kolportiert wird. Continue reading

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Kirche von unten … Im aktuellen Pfarrerblatt beschäftigen sich gleich mehrere Artikel mit der Struktur der Kirche

Dr. Gisela Kittel kritisiert die aktuellen Reformprozesse in den evangelischen Landeskirchen, die auf einem Missverständnis beruhen: „ecclesia semper reformanda“ meine nicht die Anpassung an gesellschaftliche Maßstäbe, sondern fordere dazu auf, sich zurück in die Form bringen zu lassen, die Jesus entspricht. Kirche dürfe nicht „außengeleitet“ sein. „Nicht, »was Gottes Wille ist« (Röm. 12,2), scheint im Vordergrund der Überlegungen und Planungen zu stehen, sondern wie sie sich selbst zu einer öffentlichen Größe formen kann, die gesellschaftliche Anerkennung, öffentliche Wahrnehmung und Bedeutung erlangt und so ihre Zukunft sichert.“ Dr. Ralf Kötter geht dem reformatorischen Kirchenverständnis nach und formuliert sechs Thesen, den scheinbar garstigen Graben zwischen reformatorischer Theologie und den modernen Herausforderungen in Theologie und Kirche zu überbrücken. Dabei stellt er fest: „Reformatorische Kirche gestaltet sich notwendig subsidiär, »von unten«, aus der besonderen Herausforderung des jeweiligen Raumes heraus.“ Continue reading

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