Wohin mit den Kirchensteuereinnahmen? Zurück zu den Gemeinden? Ein Pro und Contra in der aktuellen idea-Ausgabe.

„Die 20 Mitgliedskirchen der EKD haben im vergangenen Jahr so viele Kirchensteuern erhalten wie noch nie in ihrer Geschichte: 5,4 Milliarden Euro (2014 waren es 200 Millionen Euro weniger). Und das trotz Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten. Sollte die Kirche jetzt mit dem vielen Geld mehr in Gemeinden und Mission investieren?“

Pro (Pfarrer Friedhelm Maurer, Vorsitzender des Evangelischen Pfarrvereins der EKiR):

Das vor uns liegende große Reformationsjubiläum 2017 sollte zu einer wirklichen „Reform“ genutzt werden, die der Ortsgemeinde wieder ihre Mündigkeit, ihre Finanzhoheit, ihre Gestaltungsfreiheit zurückgibt.

Die noch reichlich sprudelnden Kirchensteuereinnahmen sollten genutzt werden für sinnvolle Investitionen auf der Ebene der Ortsgemeinden. Kein weiterer Abbau von Stellen, der ja auch die Ehrenamtlichen belastet und manches Gemeindeglied zum „Exit“ aus der Kirche treibt, weil die Beheimatung verloren geht! Etwa 250 Euro pro Gemeindeglied ergeben sich, wenn man die Summe der Kirchensteuereinnahmen 2015 von 5,4 Milliarden Euro durch die Gesamtgemeindegliederzahl dividiert. Überschaubare Pfarrbezirke sind also finanziell durchaus möglich. Gebt die Kirchensteuern vermehrt an die Gemeinden zurück, wo sie aufgebracht werden!

Contra (Prof. Friedrich Vogelbusch, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Warth & Klein Grant Thornton sowie Vorsitzender des Haushaltsausschusses der Synode der EKD):

Die EKD hat strategisch entschieden. Wir konzentrieren die Mittel und bereiten das 500. Reformationsjubiläum mit einer Dekade vor, die inhaltlich missionarischen Aufbruch abbildet. Das war mutig und richtig.

1. Die ungeahnten Mehreinnahmen helfen, die nicht ausreichend finanzierte Altersversorgung unserer Mitarbeiter nachzuholen. Das war bitter nötig. 2. ist ein bedeutender Teil der Einnahmen in die Zukunft zu investieren. 3. bezweifele ich, dass nur die Gelder auf gemeindlicher Ebene der Mission dienen. Erforderlich ist ein ausgewogener Zweiklang: Mehrerträge sollten 1. in die Gemeinden und 2. in missionarische übergemeindliche Projekte wie das Jubiläum, den Kongress Dynamissio und die öffentliche Verkündigung gehen. Unverzichtbar ist die Medienarbeit, die ein Millionenpublikum erreicht. In Sachsen gehen übrigens 70% der Einnahmen an die Gemeinden und nur 30 % an die übergemeindliche Ebene. Eine kluge und faire Regel!


→ die kompletten Statements als PDF (mit freundlicher Genehmigung von © idea)

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  1. Was versteht Herr Prof. Vogelbusch unter „Mission“? Die Vorbereitung des Luther-Jubiläums? Einen Kongress Dynamissio? Medienarbeit? Ich würde das eher unter Werbung und Propaganda für die Institution Ev. Kirche verbuchen.

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