Wir kaufen uns eine Pfarrerin Die Kirchen nehmen so viel Geld ein wie nie. Trotzdem müssen Gläubige ihren Pfarrer selbst bezahlen. Wird der Kirchgang zum Luxus?

„Noch nie sprudelten die Kirchensteuern so munter wie in diesem Jahr. Die evangelische Kirche wird rund fünf Milliarden Euro einnehmen, das sind etwa fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Schon seit Jahren geht das so. Seit 2005 sind die Kirchensteuereinnahmen um mehr als 43 Prozent gestiegen – und das trotz massenhafter Austritte enttäuschter Gläubiger. Die gute Konjunktur macht es möglich, schließlich ist diese Einnahmequelle an die Einkommensteuer gekoppelt. Freut sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, sind auch die Kirchenvertreter zufrieden.“

Das Phänomen ist keine hessische Spezialität, es findet sich im ganzen Land: Stellen fallen weg, und nur dort, wo die Gläubigen mit besonders üppigen Gehältern gesegnet sind, kaufen sie sich einfach ihren Pfarrer selbst. In Hessen hat die Gemeinde Falkenstein 2006 den Anfang gemacht. Aber auch in Berlin ist das ein erstaunlich weit verbreitetes Modell. Besonders skurrile Züge nimmt die Privatfinanzierung des Kirchenpersonals ausgerechnet im Herzen des Westteils in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an: Die kann sich eine extra Pfarrstelle auch deshalb leisten, weil sie ihren Vorplatz an Stände vermietet, die Andenken verkaufen. ( … ) „Mit dem Verständnis von Kirche ist das nicht zu vereinbaren.“ Über das Verständnis von Kirche kann man allerdings geteilter Meinung sein. Zwischen Frau Sporys Kirche in Bad Homburg und ihrem Arbeitgeber, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit Sitz in Darmstadt, liegen knapp 50 Kilometer. Gefühlt sind es mehr. Die EKNH residiert in einem wahren Prachtbau direkt am Paulusplatz, der früher selbst den Ansprüchen der Landesbank Hessen-Thüringen genügte. Während Ditfurth im Bad Homburger Gemeindehaus auf einer ausgeleierten grünen Sitzgruppe die radikalen Fehlentwicklungen beschwört, redet man dort von nötigen Strukturanpassungen.

Überall das gleiche Schema …

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