Wer braucht schon die EKD?! Pastor Erhard Graf blickt in einem Leserbrief im aktuellen Pfarrerblatt optimistisch in die Gemeindezukunft

„In der Nordkirche liegt der Anteil der Theologen, die nicht in der Gemeinde tätig und damit präsenzpflichtig sind, bei über 30%, Tendenz steigend. Wenn das Leuchtturmmodell umgesetzt wird, sind sogar 100% nicht mehr unmittelbar in der Gemeinde tätig. Doch diese Zukunft wird es eher nicht geben und die Gemeinden werden das verschmerzen. Denn, sind wir einmal ehrlich, welche Kirchengemeinde braucht, um als Gemeinde das Evangelium zu verkündigen, einen Kirchenkreis, eine Landeskirche oder gar die EKD?“

90% der Gemeindeglieder, das haben jüngste Umfragen wieder bestätigt, interessieren sich weder für die kirchlichen Strukturen noch kennen sie deren Repräsentanten, von einigen in den Medien Präsenten abgesehen. Wenn überhaupt kennt man den/die Pfarrer/in vor Ort und weiß manchmal sogar, zu welcher Kirchengemeinde man gehört.

Der hausgemachte Notstand mit Ansage wird zu einer kirchlichen Eigendynamik führen, die ähnlich verlaufen wird, wie sie 1991 von der EKD abgeschafft wurde, aber deshalb ja nicht falsch war. Wer heute Theologie studiert, sollte sich bewusst sein, dass es in absehbarer Zeit außerhalb der Ortsgemeinde keinen Arbeitsbereich mehr geben wird. Es sei denn, all die Ämter, Institute, Akademien und Projektstellen finden eigene Sponsoren. Mit der immer weniger werdenden Kirchensteuer werden bald nur noch die uralten Hauptaufgaben der Kirche finanziert, alles Schmückende und Nützliche, an das wir uns jahrzehntelang gewöhnt haben, ist leider nicht länger zukunftsfähig bzw. finanzierbar. Die Kirche Jesu Christi wird trotzdem mit kleinen aktiven Gemeinden weiter bestehen, da bin ich mir ziemlich sicher.


Quelle: Deutsches Pfarrerblatt, Heft 4 / 2016, S. 234.

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