Vertrauen in die Ortsgemeinde als Chance der Volkskirche begreifen Kritik an offizieller Interpretation der neuesten Kirchenmitgliederbefragung

Die fünfte Kirchenmitgliederbefragung zeigt nach Ansicht von Herbert Dieckmann vom Hannoverschen Pfarrverein vor allem eines: das Scheitern einer von der EKD forcierten Kirchenkreis-Kirche! So resümiert Thies Gundlach, Geschäftsführer der EKD, den Erkenntnisertrag der Studie: „Trotz aller medialer Investitionen gilt: Sehr viele Menschen – und ganz besonders in der jüngeren Generation – nehmen kaum etwas wahr von der Kirche. Und diejenigen, die sie noch wahrnehmen, nehmen vor allem den Geistlichen/die Geistliche vor Ort wahr, insbesondere sein/ihr Kasualhandeln. Die evangelische Kirche ist im Wesentlichen eine Vor-Ort-Kirche. Kirchenkreis-, Dekanat- oder Propsteiebene sind in der Regel unsichtbar wie die Ebene der leitendenden Geistlichen einer Landeskirche…“  Und damit „wird geradezu offiziell das kapitale Scheitern des illusionären, doch mit enormem finanziellen und personellen Aufwand betriebenen ‚Reform‘-Versuchs festgestellt, Ortsgemeinden auszudünnen oder gar aufzulösen und an ihrer Stelle die Kirchenkreise als neue Identifikationsorte für die Gemeindeglieder zu etablieren.“

Doch Herbert Dieckmann geht in seiner Kritik noch weiter. Er wirft den Interpreten der Mitgliederbefragung bewusste Fehldiagnosen vor, um die eingeleiteten Reformprozesse zu rechtfertigen:

Dennoch behaupten die Propagandisten der Kirchenkreis-Kirche weiterhin unverdrossen, es seien „insbesondere die SuperintendentInnen und Dekane, PröpstInnen und Kreispfarrer, die die Kirche der Zukunft leitend gestalten.“ (s. epd-Dokumentation Nr. 36 v. 09.09.2014, S. 2) Dabei müssten doch angesichts des klaren pastoren- und gemeindeorientierten Votums unserer Kirchenglieder  nun alle Reformer, denen es wirklich um die Zukunft unserer Kirche geht, inne halten und endlich umkehren von ihrem falschen Weg. Doch stattdessen verharren sie –trotz formaler Kenntnis der V. KMU – uneinsichtig in ihrem eingespielten Argumentationsmuster: Zunächst ängstigen sie immer noch die Gemeinden mit einer „kleiner“, ärmer“ und „älter“ werdenden Kirche. Dann präsentieren sie den Kirchenkreis – in betriebswirtschaftlicher Manier – als Fusions- und Regionalisierungs-Retter in der Not. Und diese Rettung sei „alternativlos“ und darum nur noch in ihrem „Wie“, nicht aber in ihrem „Ob“ zu diskutieren. Natürlich brauche solch eine „Rettung“ noch mehr Geld und Personal, das der KK vor allem durch Einsparung von Gemeinde-Pfarrstellen erlange. Denn im eklatanten Widerspruch zur Wahrnehmung unserer  Kirchenmitglieder behaupten die Reformer unverdrossen weiter: „Kirche in guter Nachbarschaft wird zunehmend als Kirche in Gemeinde, Region und Kirchenkreis kommuniziert“. Nur ab und zu gibt einmal einer von ihnen zu, dass Reformen wie Fundraising, Ehrenamt-Agentur, Leitbild-Prozess, Nachbarschafts-Projekte, KK-Homepage, Sozialparlament und Kita-Gesamtverband gescheitert sind, wobei er jedoch gleichzeitig stolz auf 40 (von 98) eliminierte Gemeinden verweist. Zum Schluss verschleiern unsere Kirchen-Reformer ihre simple Gemeinde-Enteignung noch als „gottgewollte Weisung“ in eine neue kirchliche Zukunft. Doch niemals lassen sie ihre Reformen evaluieren, was sie für andere gern einfordern.

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