Un-Kultur der kirchlichen Beliebigkeit Eingabe an die Landessynode der Badischen Kirche übt scharfe Kritik an EKD

20 Erstunterzeichner haben in einer Eingabe an die Landessynode appelliert, den Stil der EKD-Fürhung kritisch zu begleiten. Im Anschreiben heißt es:

Wir – Mitglieder der badischen Landeskirche – haben den Weg unserer Kirche nicht nur mit wachen Augen begleitet, sondern uns über den eigenen Dienstbereich hinaus auch in Leitungsaufgaben unserer Kirche über viele Jahre unserer Lebenszeit hinweg engagiert. Nun allerdings sind wir besorgt über den hohen Vertrauensverlust der gegenwärtigen EKD-Führung in der Öffentlichkeit und in unseren Gemeinden. Darum halten wir es für dringend geboten, dass die neue Landessynode mit aller Energie eine deutliche Verbes- serung bewirkt, was den Stil im Zusammenwirken zwischen EKD und Landeskirchen sowie Kirchengemeinden angeht. ›Stil‹ ist eben – zumal in der Kirche – nicht nur etwas Äußerliches, sondern signalisiert im Umgang auch Inhalte. Unbestreitbar hat sich die Vorgehensweise der EKD-Führung zunehmend dahingehend verändert, dass grund- legende Wahrheiten unserer Kirche unklar geworden sind und in Frage gestellt oder gar in Abrede gestellt wurden.

Als Beispiele schlechten Stils werden u.a. genannt:

  • die mangelnde Informationspolitik zur Kirchensteuer, die auf die Kapitalertragssteuer nun automatisch erhoben wird und mannigfache Kirchenaustritte hervorruft;
  • die „überflüssige“ Orientierungshilfe zu Ehe und Familie, die durch den Rat der EKD verantwortet ist und unter den Gemeindegliedern Irritationen ausgelöst hat;
  • die Rolle von Margot Käßmann als Botschafterin des Reformationsjubiläums innerhalb der Diskussion um den Antisemitismus Martin Luthers;
  • die Diskussion um aktive Sterbehilfe, die durch den Rastvorsitzenden Nikolaus Schneider und die Erkrankung seiner Frau in eine fragwürdige Richtung gelenkt wurde.

Als Fazit stellen die Unterzeichner fest:

Unsere Beispiele zeigen: Es ist eine Un-Kultur der kirchlichen Beliebigkeit entstanden. Mit einem diffusen Begriff von der ›Liebe Jesu‹ soll alles Denkbare und Mögliche gut- geheißen werden können. Wenn das neue Argumentationsmuster lautet: ›Es ist zwar gegen meine (Glaubens-) Überzeugung, aber aus Liebe zu (z.B. meiner Frau) entscheide und handle ich auch ganz andersherum …‹, dann ist jeder Total-Autonomie, jeglichem Rigorismus, jeder subtilen Willkür ›Tür und Tor geöffnet‹ / dann bedeutet dies den Abschied von jeder vor Gott reflektierten theologischen Ethik. Wer demgegenüber jedoch noch auf Bibel und Bekenntnis und auf Aufrichtigkeit und Sachlichkeit beharrt, der wird dann schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, er bzw. sie sei phobisch belastet, also krank. So wird eine mögliche Diskussion beendet, noch ehe sie beginnen konnte.

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