Strukturreform: Verwirrung in Sachsen Beschlüsse der Synode in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens werden unterschiedlich interpretiert

„Es ist derzeit leider keine Bewertung des Ergebnisses der Synode möglich.“ Dieses Fazit wird aktuell von den Initiatoren der Kundgebung „Zurück auf Los: Strukturreform der sächsischen Kirchenleitung stoppen, neu anfangen“ gezogen, bei der mehr als 500 Protestanten für eine Beteiligung der Basis an der Gestaltung der Strukturreformen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens während der Tagung der Synode in Dresden demonstrierten. Zunächst hieß es, dass die Synode einem Antrag im Sinne einer entsprechenden Petition, die über 6.000 Unterschriften sammeln konnte, verabschiedet hat. Doch die Kirchenleitung scheint die Ergebnisse anders zu interpretieren als so mancher Synodaler. So heißt es auf der Website „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“, die über die Initiative und Synode berichtet: „Leider ist es nach Verabschiedung des Beschlussantrags zu Unklarheiten zur Wirksamkeit der Abstimmung sowie zu weiteren Anträgen gekommen, welche die Wirkung des Beschlusses beeinträchtigen.“

Auch Berichte der landeskirchlichen Wochenzeitung „Der Sonntag“ bringen kein Licht ins Dunkel. Am 2. April lautete eine Überschrift: „Fast zurück auf Los: Gemeinden dürfen mitreden“. Dort heißt es:

Nach den Protesten von mehreren hundert Christen am Nachmittag will die Landessynode das Paket der von der Kirchenleitung beschlossenen Strukturreform noch einmal aufschnüren. Mit nur einer Stimme Mehrheit beschloss sie am späten Sonntagabend einen einjährigen »Entscheidungsfindungsprozess«, in dem Alternativen zum Papier »Kirche mit Hoffnung in Sachsen« und Vorschläge aus Kirchgemeinden »Berücksichtigung finden« sollen.

Einen Tag später lautet der Tenor anders. Nun titelt „Der Sonntag“: „Strukturreform: Doch nicht zurück auf Los“. Im Artikel heißt es, die Vorlage der Kirchenleitung zur Strukturreform besitze weiterhin Gültigkeit. Dabei hatte man noch kurz zuvor eine schon eingeläutete Fusion zweier Kirchenbezirke überraschend gestoppt:

Ein Grund: Die Befürchtung, dass mit der Fusion der künftigen Struktur- und Stellenplanung vorgegriffen wird. Die soll – so hatte es die Synode gestern Nacht beschlossen – erst in einem Jahr nach einem Entscheidungsprozess in den Gemeinden entschieden werden.

Die Reaktionen fallen entsprechend enttäuschend aus. In den Kommentaren wird die Vorgehensweise heftig kritisiert.

Das wird wohl nicht dazu führen, dass das Vertrauen ggü. kirchlichen Instanzen wächst. Wer hat hier wen ausgetrickst, die Synode sich selbst oder die Synodenleitung die (nicht immer juristisch geschulten) Synodalen? Das Ganze hat jedenfalls ein Geschmäckle.

Der Plan der Kirchenleitung sieht vor, dass alle Kirchengemeinden in Zukunft mindestens 4.000 Gemeindeglieder vorweisen müssen. Damit würden etliche Fusionen notwendig. Nun bleibt abzuwarten, wie die Synodenbeschlüsse letztendlich umgesetzt werden. Der Bericht zur Landessynode auf der Website der Landeskirche lässt jedenfalls Spielraum für weitere Interpretationen.


Weitere Informationen:
http://www.kirche-mit-hoffnung.de/
https://www.openpetition.de/petition/online/zurueck-auf-los-strukturreform-der-saechsischen-kirchenleitung-stoppen-neu-anfangen
https://www.sonntag-sachsen.de
http://www.evlks.de

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