Siegried Eckert im Duisburger Pfarrkonvent Kein offizielles Protokoll, sondern ein persönlicher Bericht von Friedrich Brand

Der Duisburger Pfarrkonvent hatte am 13. April Pfarrer Siegfried Eckert zu Gast. Im Einladungsschreiben wurde er mit diesen Worten angekündigt: „Pfarrer Siegfried Eckert aus Bonn stellt Thesen seines Buches vor: „2017: Reformation statt Reförmchen“. Ausgehend von Grundwerten der Reformation legt er dar, wie weit Kirche sich heute von reformatorischen Erkenntnissen entfernt hat. In seinen Vortrag wird er einen O-Ton einflechten aus einer Podiumsdiskussion, an der auch Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD  und Leiter der Hauptabteilung II „Kirchliche Handlungsfelder und Bildung“, teilgenommen hat.“

Bemerkenswert war die Teilnehmerzahl. So viele Kolleginnen und Kollegen wie schon lange nicht mehr, nahmen an diesem Konvent teil. Das Unbehagen über das Leitungshandeln der Kirche scheint groß zu sein. Den meisten sprach Siegfried Eckert aus der Seele. In dem halbstündigen Gespräch nach dem Vortrag gab kaum Widerspruch gegen seine Thesen, hauptsächlich Fragen und Ergänzungen zu dem, was er gesagt hatte.

In seinem dreiviertelstündigen Vortrag zeigte Eckert überzeugend auf, wie Kirchenleitungen und insbesondere die Spitze der EKD seit 2006 das Heft des kirchlichen Handelns an sich gezogen haben und von oben her den Weg der Kirche bestimmen und wie dabei ein Grundwert der Reformation – der Aufbau der Kirche von unten, von den Gemeinden her – auf der Strecke bleibt.

Ein Teilnehmer fragte, wo genau der Fehler zu verorten sei, der dafür verantwortlich ist, dass die Kirche diesen verkehrten Weg eingeschlagen hat: Funktioniert die presbyterial-synodale Ordnung nicht mehr, weil Synoden nicht mehr die Kenntnis oder den Mut haben, das Handeln der Kirchenleitungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren? Oder haben die Kirchenleitungen so viel Macht angehäuft, dass sie jegliche andere Meinung im Keim ersticken?

Er erinnerte an die Landessynode 2010, bei der das NKF noch einmal neu zur Entscheidung anstand. Es gab ernst zu nehmende Kritik. Es gab die katastrophalen Erfahrungen bei den Probeläufen. Es war weiterhin bekannt, dass die ursprünglich geschätzten Kosten von sieben Millionen auf mindestens achtzehn Millionen steigen würden. Hinter vorgehaltener Hand sprach man sogar von sechzig Millionen. Das aber durfte nicht laut gesagt werden. Die Synodalen kannten die Probleme. Trotzdem stimmten nur siebzehn gegen die Fortführung des NKF.

Ein Kollege hat den Eindruck, dass wir in der evangelischen Kirche nach und nach katholische Verhältnisse bekommen. Dem widersprach ein anderer mit dem Hinweis darauf, dass in unseren Gemeinden keine Kirche von oben geschlossen würde. Leider fehlte die Zeit, um die Frage nach den Gründen der kirchlichen Fehlentwicklung gründlich zu diskutieren.

Teil des Vortrags war auch ein Ausschnitt aus einer öffentlichen Diskussion, die Siegfried Eckert mit Präses Rekowski und Thies Gundlach in Bonn geführt hat. Eckart von Hirschhausen leitete das Gespräch. Gundlach sagte, dass die Kirche finanziell gut dastehe. Es sind also nicht finanzielle Probleme, die die Kirchenleitungen zu ihrem Handeln antreiben. Es ist die Angst vor Bedeutungsverlust. Die Gemeindegliederzahlen schrumpfen. Das liegt nach Meinung von Gundlach und anderen Kirchenoberen daran, dass die Gemeinden und insbesondere die Pastoren ihre Schäfchen nicht mehr erreichen.

Dem stehen, darauf wies Siegfried Eckert hin, die Ergebnisse der jüngsten EKD-Mitgliederuntersuchung entgegen. Danach sind die Pastorinnen und Pastoren die zentralen Botschafter der Kirche vor Ort. Sie geben der Kirche ein Gesicht. Die Gemeinden sind der Ort, wo das, was Kirche ausmacht, erfahren werden kann.

In seinem Schlusswort erinnerte Eckert an die drei lutherischen Säulen: Gottesdienst – Diakonie – Bildung. Sie seien ein gutes Leitmotiv für heutiges kirchliches Handeln.

Nachwort von mir: Auch wenn wir bisher noch keine katholischen Verhältnisse haben, läuft doch die Entwicklung darauf hinaus. Eine Duisburger Gemeinde erlebt dies zur Zeit hautnah. Sie ist in eine solche Geldnot geraten, dass die Schließung mehrerer Gebäude wohl unumgänglich ist. Das Presbyterium konnte die Verantwortung für weitere Schritte nicht mehr übernehmen und trat zurück. Nun leitet ein Bevollmächtigtenausschuss die Gemeinde. Die im Konvent anwesenden Kollegen haben, so scheint es, resigniert, sodass von ihnen kein Wort zu hören ist.

Es resignieren auch Presbyter und Presbyterinnen. In einer Duisburger Gemeinde legte einer nach zwanzigjähriger Amtszeit – viele Jahre davon war er Kirchmeister – sein Presbyteramt nieder. Im Gemeindebrief ist ein Dankeswort zu lesen, in dem es heißt: „Vor allem die Umstellung auf das Neue Kirchliche Finanzwesen wollte er sich nicht mehr zumuten.“

Man kann gespannt sein, in wie vielen Presbyterien im kommenden Jahr keine Wahl stattfinden wird.

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