Schade, schade, schade … Christ und Welt: Leitartikel von Wolfgang Thielmann zeigt wenig Verständnis für Sparkritiker

In seinem Leitartikel „Sparen in stabiler Seitenlage“ beschäftigt sich Wolfgang Thielmann, Redakteur der Zeitschrift „Christ und Welt“ mit der aktuellen finanziellen Situation der Kirchen und fokussiert dabei vor allem auf die Landessynode der EKiR. Der Untertitel verrät bereits die eingeschlagene Richtung: „Schließen, streichen, sichern: Die großen Kirchen müssen den geordneten Rückzug antreten. Die Evangelische Kirche im Rheinland macht den Auftakt. Nur die Pensionskassen wachsen noch. Ein Plädoyer für Nüchternheit.“ Alles andere als „nüchtern“ analysiert Thielmann dann allerdings die unterschiedlichen Positionen der Befürworter und Kritiker des Sparkurses. Ganz im Gegenteil: Wer dem konzernkonformen Weg der Landeskirche und der EKD nicht folgen mag, wird als „Denkverweigerer“ und „Verherrlicher der Vergangenheit“ bezeichnet.

Bei solch stereotypen und plakativen Schubladen wird leider die Chance verpasst, zu einer echten Diskussion und Auseinandersetzung um die Sache zu kommen. Stattdessen protegiert Thielmann den vorgegebenen Kurs der Kirchenleitung und stellt ihn als alternativloses Vorgehen zur Zukunftssicherung unserer Kirche dar. Sätze wie „die Kirchen sollten ihre verlorenen Stellungen rasch räumen, nüchtern und entschlossen“ und „kein Titel ändert etwas daran, dass der Aufbruch dem Abbruch dient“ lassen gar keine andere Denkweise zu. Dabei kommt auch Thielmann an der Realität nicht vorbei: „derzeit steigen die Kirchensteuereinnahmen von Jahr zu Jahr.“ Allerdings spiegelt sich in seinem Kommentar die Argumentationslinie der Kirchenleitung wider:

Deshalb beklagen sich Pfarrer und Mitarbeiter, wenn Kirchen sich auf den Rückzug vorbereiten und Pfarreien oder ganze Landeskirchen zusammenlegen. Aber genau darin liegt die Zukunft heute. Es gibt keine andere Möglichkeit. Sonst wird der Abbruch in einer Generation beschleunigt weitergehen. Die Kirchensteuer gerät unter Druck, das Angebot von Caritas und Diakonie auch.

Interessant sind auch die Hinweise, die Schlimmeres befürchten lassen: Nach der Konsolidierung 2018 fängt das Sparen erst richtig an, Landeskirchen sollen zusammengeführt werden, nach dem Reformationsjubiläum 2017 wird erst mal Kassensturz gemacht. Woher er diese Einsichten wohl hat? Immerhin räumt Thielmann am Ende ein, dass es keinen Königsweg gibt – das gilt allerdings auch für den Kurs der Landeskirchen.

→ http://www.christundwelt.de/detail/artikel/sparen-in-stabiler-seitenlage/

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Ein Beitrag
  1. In der Tat: Schade, schade, schade …
    Das düster drohende Bild, das Thielmann hier zeichnet, wird nur dann Wirklichkeit werden, wenn die Kirchen kräftig daran mitarbeiten! Dann, wenn sich Kirche als Glaubenskonzern sieht, den Glauben als Geschäftsfeld, Zuwendung zu den Menschen als Dienstleistung unter Konkurrenzdruck und die Verkündung des Evangeliums als Alleinstellungsmerkmal, das sich nicht mehr gut verkauft.
    Hat Herr Thielmann vergessen, dass Kirche mehr ist? Dass sie mehr kann? Dass unsere Kirche schon größere Probleme überwunden hat, als ihr heute gestellt werden?
    Wenn sich die Menschen in den gar nicht so kalten Zeiten des Kalten Krieges in ihrer Grundeinstellung an Thielmann orientiert hätten, hätte niemand für eine bessere Welt gekämpft, wären keine Kinder mehr geboren worden; man hätte zusammengepackt, und Schwamm drüber. Ende und aus.
    Aber das wollen wir nicht! Unsere Kirche und hier besonders unsere Kirchengemeinden mit ihrer Tatkraft und dem Willen, für die Menschen da zu sein, können mehr, als Thielmann wohl für möglich hält. Man lasse sie! Die Zukunft ist nur schwarz und drohend, wenn wir sie so akzeptieren und einknicken. Nicht weinen mit Thielmann, sondern kämpfen für die Zukunft unserer Kirche, unserer Gemeinden, unserer Kirche bei den Menschen und für die Menschen!

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