Programm zum Gemeindebündetreffen am 18. und 19. September 2016 in Altenkirchen

Kirche der Reformation?
Die Reformprozesse innerhalb der Landeskirchen der EKD und ihre Folgen für die Kirche vor Ort.

Referenten:

Frankfurt: Diskussion zur neuen EKD-Denkschrift Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Teilnehmer: Heinrich Bedford-Strohm, Tim Hagemann, Stefan Hoehl, Gustav Horn, Wolfgang Schroeder Eva Senghaas-Knobloch, Einladende: Gotlind Ulshöfer, Gerhard Wegner. Foto aufgenommen am: 28.04.2015 Foto: Rolf Oeser

Foto: Rolf Oeser

Prof. Dr. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD
„Renaissance der Kirchengemeinden? – Ergebnisse der KMU V“
„Durch die Fokussierung auf die Gruppe der der Kirche näher verbundenen Mitglieder, eben auf jene 45%, die sich möglicherweise kommunikativ erreichen lassen, wird nicht ein Ideal-, aber ein Realbild von Kirche gezeichnet, ohne dessen Berücksichtigung kirchenreformerische Maßnahmen vollkommen ins Leere laufen müssen. In dieser Richtung sorgt die KMU 5 für Realismus. Es war ja in der Vergangenheit immer wieder verblüffend zu sehen, wie groß angelegte Kampagnen zur Gewinnung der kirchlich Distanzierten oder gar der Konfessionslosen angestellt wurden, die zwar dieses Ziel verfehlten, aber faktisch zur »Modernisierung« der bereits der Kirche verbundenen Menschen beigetragen haben. Genau dieses Phänomen lässt sich anhand der Daten der KMU 5 gut erklären. Umgekehrt folgt, dass eine mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg zielende kirchliche Kommunikationsstrategie genau diese Gruppe der 45% der Mitglieder stärker als bisher in den Blick nehmen sollte mit dem Ziel, ihre Verbundenheit mit der Kirche zu stabilisieren. Hier lässt sich mit gewisser Aussicht auf Erfolg eine ganze Menge erreichen, wohingegen der Aufbau von neuen Kommunikationskanälen zu den weiter am Rande stehenden oder gar indifferenten Menschen sehr viel schwieriger und sehr viel frustrierender ist. Eine solche Strategie hätte ganz gewiss nichts mit einer Reduktion der Kirche auf kleine Bereiche zu tun, sondern mit dem realistischen Ansetzen an einer Form von Mitglieder- und damit verbundener Gemeindeentwicklung unter denen, die daran potenziell tatsächlich ein Interesse haben könnten.“

aus: Pfarrerblatt Januar 2016

Prof. em. Dr. Gisela Kittel, Ev. Theologin und Didaktikerin
„Vor einem neuen Kampf um die Kirche?“
In den Auseinandersetzungen um den Reformprozess geht es nicht nur um den Strukturumbau der Evangelischen Kirche, das Gemeindesterben, die Entfremdung der Kirchenglieder und den zunehmenden Schrumpfungsprozess. Es geht um einen theologischen Konflikt. So wie sich das Kirchenverständnis der „Reformer“ grundlegend von dem unterscheidet, was das Neue Testament, die reformatorischen Bekenntnisse, die Barmer theologische Erklärung über Wesen und Auftrag der Kirche sagen, so ist auch ihre Rede von Gott, von Jesus Christus, von dem, worauf sich seine Kirche im Letzten verlassen darf, auf einen anderen Grund gestellt. Die Prioritäten kirchlichen Denkens und Handelns haben sich – zumindest bei den die Kirche leitenden und heute den Ton angebenden Personen –  spürbar verschoben. Kommen wir gegen diesen neuartigen Geist überhaupt an? Gibt es Möglichkeiten des Widerstehens? Antworten müssen gemeinsam gefunden werden. Das Referat versucht, die theologische Dimension der heutigen Konflikte aufzuzeigen.