Plädoyer für stabile dezentrale Strukturen Kahnt: Menschen wünschen sich ansprechbare Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort

„In seinem Vorstandsbericht vor der Mitgliederversammlung des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. am 21.9.2015 in Bremen stellte der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Andreas Kahnt (Westerstede), die zentralen Aufgaben für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die anstehenden Herausforderungen für den Verband in den Mittelpunkt. … Die 5. Erhebung der Evangelischen Kirche in Deutschland über die Kirchenmitgliedschaft zeige eindrucksvoll, dass sich die Menschen eine Kirche vor Ort wünschen.

Selbst Menschen, die der Kirche nicht nahe stehen, erwarten „eine erreichbare Kirche mit Pfarrerinnen und Pfarrern, die Zeit haben, die ansprechbar sind und in der kirchlichen und gesamtgesellschaftlichen Öffentlichkeit als Vertreterinnen und Vertreter von Kirche sichtbar und hörbar für Glaube und Religion einstehen. Das verbinden die Leute mit Kirche und das erwarten sie von Pfarrerinnen und Pfarrern“, betonte der Vorsitzende vor den 100 Delegierten aus den Mitgliedsvereinen.

Kahnt folgert aus diesem Ergebnis, dass „die Kirche im Dorf“ gelassen werden müsse. Da Kirche „von unten lebt“, und Menschen sich mit ihrer Gemeinde, in der sie leben, verbunden fühlen, gelte es, alle Strukturprogramme zu überprüfen: „Je größer die Einheiten durch Auflösung oder Fusion werden, desto weniger überschaubar sind sie für den Einzelnen, desto weniger wird sich die Einzelne mit ihnen identifizieren. Zentralisierung zerstört stabile dezentrale Strukturen. Sie nimmt Menschen nicht ernst, die sich bisher in hohem Maße engagiert haben. Sie missachtet die Bereitschaft, Kirche vor Ort demokratisch zu verantworten“, so Kahnt vor der Versammlung. Volkskirchliche Strukturen dürften nicht weiter wegrationalisiert werden, vielmehr gelte es, religiöse Sprachfähigkeit und Verbundenheit zu Kirche und Glaube  zu fördern. „Das geht nur in lokalen, überschaubaren Einheiten. Sie gewährleisten Nähe und Verbundenheit. Sie lassen sich vernetzen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben“, sagte Kahnt.

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Ein Beitrag
  1. Ich kann Herrn Kahnt hinsichtlich seiner Darlegungen zur immer weiter fortschreitenden Zentralisierung (oder zumindest zu den diesbezüglichen Versuchen) aus der Sicht unserer Kirchengemeinde in Rommerskirchen nur zustimmen. Die Menschen wollen die Kirche vor Ort in ihrer Gesamtheit. Wir müssen uns alle dagegen wehren, dass Teile davon weggebrochen werden, denn dies ist der Anfang vom Ende. Konsequent weitergedacht, entstünde hieraus zukünftig eine Kirche mit der Basis auf Kreisebene und ohne Gemeinden, zumal dies den Landeskirchen die vielfältigen Berichtspflichten nach dem erweiterten Solidarpakt erleichtern würde. Ich aber bin dagegen, dass die Form über die Funktion gestellt wird. Kirche muss sicherlich auch auf die jeweilige Zeit, in der sie besteht, achten. Knieweiches Einknicken vor künstlich erzeugten betriebswirtschaftlichen Zwängen aber muss verhindert werden.

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