NKF, Verwaltung, Sparkurs: das sagen die Sups Ein Querschnitt durch Berichte von Superintendentinnen und Superintendenten der EKiR

Der November ist traditionell der Monat der Herbstsynoden in den Kirchenkreisen der EKiR. Und zu den festen Riten der Kreissynoden gehören die Berichte der Superintendenten bzw. der Superintendentinnen. Die fallen in Ausführlichkeit und Stil natürlich sehr unterschiedlich aus. Inhaltlich kommt man aber in diesem Jahr an bestimmten Themen nicht vorbei. Dazu gehören u.a. auch das Neue Kirchliche Finanzwesen (NKF), die Verwaltungsstrukturreform und die aktuellen Sparvorschläge der Landeskirche.

Verwaltungsstrukturreform

Die Umsetzung der landeskirchlichen Vorgabe, eine zentrale Verwaltung in den Kirchenkreisen zu etablieren, wird unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite wird in vielen Berichten betont, dass demographische und finanzielle Veränderungen in den kommenden Jahren auf der Verwaltungsebene zur Zusammenarbeit nötigen. Auf der anderen Seite werden erhoffte Synergieeffekte (noch) vermisst, zumal bereits durchgeführte bzw. bevorstehende Personalaufstockungen zu zusätzlichen finanziellen Belastungen führen. Fragen der Kostenverteilung unter den Gemeinden (KK Solingen) oder einer noch zu erarbeitenden Satzung (KK Krefeld-Viersen) machen deutlich, dass der Prozess an vielen Stellen noch lange nicht abgeschlossen ist, der Kirchenkreis An Sieg und Rhein hat sogar einen Aufschub für die Umsetzung des Verwaltungsstrukurgesetzes erwirkt. Es bleibt, was eine mittelfristige Kostenersparnis durch die Zentralisierung angeht, eine gewisse Erwartungshaltung bestehen, die teils mit Skepsis, teils mit Hoffnung verbunden ist.

Neues Kirchliches Finanzwesen

Kann man die Äußerungen zur Verwaltungsstrukturreform noch als ambivalent bezeichnen, sind die Kommentare zum NKF dagegen eindeutig. Fast alle Berichte weisen auf erhebliche Mängel in der Planung, Umsetzung und technischen Ausstattung hin. Kaum jemand kann der Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik etwas Positives abgewinnen. Der Aufwand, der in den Verwaltungen betrieben wurde, steht in keinem Verhältnis zum bisherigen Ergebnis. Ob das neue Buchungssystem überhaupt einmal die gewünschten Effekte realisieren wird, sehen viele skeptisch. Dagegen werden hohe Krankenstände, Urlaubssperren, teurer Einkauf von externem Know-How und eine nicht optimal funktionierende Software (MACH) beklagt. Erhebliche Kostensteigerungen werden zwar angedeutet, doch nur selten konkret ins Auge gefasst. Im KK Wesel geht man von bisher über 40 Mio Euro aus, wobei weitere Folgekosten schon abzusehen sind, da eine teure Softwareaktualisierung (MACH 2) mit zusätzlichen Fortbildungsmaßnahmen für das kommende Jahr angekündigt ist (KK Dinslaken). Zudem ist man sich an vielen Stellen nicht sicher, ob der Systemwechsel zum 1. Januar 2015 reibungslos laufen wird. (Es gibt Schätzungen, die mit einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren rechnen bis der status quo vor der Umstellung erreicht ist.)

Sparvorschläge der Landeskirche

In vielen Berichten wird auf die aktuellen Sparvorschläge der Landeskirche eingegangen. Auch wenn die Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung durchaus gesehen wird, wünscht man sich bei den bevorstehenden Kürzungsmaßnahmen evangelisches Augenmaß. (Nicht wenige Synoden haben daher gegen die Vorschläge votiert.) Auf dem Hintergrund steigender Kirchensteuereinnahmen und den Kosten für Verwaltung und Buchungssystem erkennt man aber auch eine deutliche Schieflage, die eine eigene Dynamik entwickeln kann (KK Wesel). Am deutlichsten kritisch positioniert sich hier der KK An Sieg und Rhein:

Anders als in den Szenarien prognostisiert, sanken die Kirchensteuern nicht, sie stiegen. Wohl wahr, so die sofortige Klarstellung und Deutung der Kirchenstatistiker. Ja, sie stiegen, nominal stiegen sie, nicht aber kaufkraftbereinigt. Kaufkraftbereinigt, so heißt seit einiger Zeit das neue Zauberwort. So wird nicht von ungefähr nicht mehr auf den Nominalverlauf von Kirchensteuereinnahmen geschaut, sondern auf kaufkraftbereinigte Kurven ruht derzeit die ganze Aufmerksamkeit. So stimmen die Prognoseszenarien wieder, wenn auch mit einem kleinen Schönheitsfehler: 75 Prozent der kirchlichen Ausgaben werden über Personalkosten im eigenen Haus erbracht. Die Waren des Warenkorbs und deren Preissteigerungen spielen da prozentual nur eine sehr bedingte Rolle. Ein letzter Hinweis: Der Kurvenverlauf von Prognosen erbringt bekanntlich bereits bei einem leicht nach hinten oder nach vorn versetzten Betrachtungszeitraum erhebliche bis exorbitante Abweichungen. Insbesondere bei Langzeitbetrachtungen. Die Ergebnisse sind statistisch so oder so jeweils exakt, die zu interpretierenden Szenarien aber dennoch hoch unterschiedlich. Was ich sagen möchte: Wir sollten die von der EKD und unserer Landeskirche präsentierten Finanzfakten nicht unkritisch übernehmen. Wenigstens für unseren Kirchenkreis nicht. Kürzere Betrachtungszeiträume mit wirkungsvollen zeitnahen Nachsteuerungen statt verzerrter langfristiger Panikszenarien könnten durchaus zielfördernder sein.

KirchenBunt

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass in einem Kirchenkreis (Moers) auch unsere Initiative Thema war und immerhin das letzte Drittel des Superintendentenberichts geprägt hat. Inwieweit unsere Anliegen dort adäquat rezipiert wurden, darauf soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Wer möchte, kann sich selbst ein Urteil bilden. Allerdings freut es uns, dass man zumindest dort sich genötigt sah, Stellung zu beziehen.

[Anmerkung:
Dieser Querschnitt wurde aufgrund der Berichte von folgenden Kirchenkreisen erstellt, die auf den jeweiligen Kirchenkreisseiten online abrufbar sind:
KK Achen, KK An der Ruhr, KK An Sieg und Rhein, KK Bonn, KK Dinslaken, KK Düsseldorf, KK Duisburg, KK Köln-Nord, KK Köln Süd, KK Krefeld-Viersen, KK Lennep, KK Moers, KK Solingen, KK Trier, KK Wesel]

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Ein Beitrag
  1. Die entscheidenden Sätze aus dem im Moerser Superintendentenbericht erwähnten Vortrag von Hellmut Zschoch von 2006 seien hier noch mal zitiert:

    „Die kirchliche Neuordnung nach 1945 hat daraufhin erstmals eine freie Durchführung der presbyterial-synodalen Ordnung ohne die Einbeziehung von ihr fremden Instanzen geleistet. Dabei zeigt sich, daß auch auf diese Weise kein spannungsfreier Zustand erreicht wird, sondern vordem nach außen geführte Konflikte nun innerhalb der presbyterial-synodalen Struktur auszutragen und auszuhalten sind. Die Wahrung der presbyterial-synodalen Ordnung schließt daher die Aufgabe ein, Leitungskompetenzen und Bekenntnisidentität stets neu ins Verhältnis zu setzen und zugleich die unvermeidbaren Spannungen zwischen verschiedenen Verantwortungsebenen in kreative Energien umzusetzen… Es geht bei der Wahrung der presbyterial-synodalen Ordnung nicht um Prinzip oder Wandel, sondern tatsächlich um Prinzip und Wandel. Es geht um Bewahrung und Gestaltung in engem Bezug aufeinander: Wo nichts zu bewahren ist, gibt’s auch nichts zu gestalten. Und wo nichts gestaltet wird, wird am Ende auch nichts bewahrt. Für die damit bezeichnete Aufgabe braucht es Treue und Mut, Evangeliumsgemäßheit und Zeitgemäßheit, Traditionsbewußtsein und Kreativität. Daß beide Pole auch in den schwierigen Strukturveränderungen, die unserer Kirche bevorstehen, ins rechte Verhältnis geraten, ist ein Werk des Gottesgeistes.“

    Und Andreas Mühling sagt 2010 anlässlich des 400. Jubiläums der Duisburger Generalsynode: „Die Befugnisse von Presbyterien, überregionaler
    Kirchenleitung und überregionaler Synoden mussten jeweils neu – auf die konkrete sich
    verändernde Situation hin – ausgelotet werden… ‚das‘ reformierte kirchliche Leitungsmodell gibt
    es nicht. Erst recht nicht ‚das‘ presbyterial-synodale Prinzip. Denn die Stärke reformiert geprägter kirchlicher Leitungsstrukturen liegt gerade darin, flexibel auf die Herausforderungen der Zeit reagieren zu können.“

    Mit anderen Worten: Das Verhältnis von Gemeinde (Presbyterium) und Synode bzw. Kirchenleitung ist keinesfalls ein für alle Mal geklärt. Es muss immer wieder neu gefunden und definiert werden. Dazu bedarf es kreative Energien und der flexiblen Reaktion auf Herausforderungen. Genau darum geht des den Initiativen von Kirchenbunt, Wormser Wort und Pfarrverein. Das bedeutet gegenwärtig, dass die Rechte der einzelnen Gemeinde gegenüber den synodalen Übergriffen gestärkt werden müssen. Dann stellt sich aber die Frage, was eigentlich Gemeinde ist, bzw. ob zusammenfusionierte regionalen Einheiten tatsächlich noch „Gemeinde“ genannt werden können. Im einzelnen müssten für künftige Reformprozesse folgende Kriterien eingehalten werden:

    1. Statt dass Kirchengemeinden zu Unterabteilungen ihrer Kirchenkreise oder anders gearteter kirchlicher Regionen werden, gehen wir nicht auf möglichst große, sondern möglichst kleine Gemeinden zu, die sich autonom, selbständig und mündig selber verwalten und für sich selbst Verantwortung übernehmen.
    2. Statt dass die Gemeindeglieder wie Kunden eines Dienstleistungsunternehmens angesehen werden, gehen wir auf die Verwirklichung des allgemeinen Priestertums zu, durch das die Christinnen und Christen, ihren Gaben und Charismen entsprechend, Verantwortung und Initiative für ihre Gemeinden übernehmen.
    3. Statt dass Pfarrerinnen und Pfarrer mehr und mehr zur Kirchenfunktionären werden, die Anweisungen irgendwelche Leitungs- und Planungsebenen umzusetzen haben, stellen wir die Freiheit des Pfarramtes im Sinne von §51 KO wieder her, die zu seiner gedeihlichen Wahrnehmung unerlässlich ist.

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