KK Recklinghausen: Die Vermessung des Pfarrberufes Oder wie sich NKF (Neues kirchliches Finanzmanagement) auf das kirchliche Leben auswirkt

Wie wird sich die geplante landeskirchenweite Einführung der kaufmännischen Buchführung (Doppik) auf das kirchliche Leben und die Praxis im Pfarramt auswirken? Um diese Frage stritten Dr. Arne Kupke, juristischer Oberkirchenrat (EKvW Landeskirchenamt, Bielefeld), und Prof. Traugott Jähnichen, Lehrstuhl für christliche Gesellschaftslehre (Uni Bochum), auf der Pfarrkonferenz im März 2015.

Jähnichen meldete Zweifel an, ob die ökonomischen Begrifflichkeiten von Effizienz und Effektivität auf Kirche übertragbar seien. Die formalen Ziele träfen im Verständnis der missio dei („Gottes Mission“) auf eine Sperre. Es sei durchaus sinnvoll sich über kirchliche Selbst- und Fremdwahrnehmung Gedanken zu machen, wenn man frage, „wie stelle ich mich als Kirche öffentlich dar?“. Problematisch seien die ökonomischen Momente von Top-Down-Steuerung, die der Netzwerkstruktur von Kirche entgegenständen. Nach reformatorischem Verständnis sei die evangelische Kirche antihierarchisch konzipiert. Daher sei die Frage zu stellen: „Wo stärken wir ohne Not die Hierarchie?“. Stattdessen rief er auf, das „Pfarramt und die Gemeinden“ zu stärken. „Jeder Pfarrer steht dann auch dafür ein, dass Koinonia (Gemeinschaft) in seiner Gemeinde lebendig ist“.

„Gemeinde baut sich vom Presbyterium auf“, hielt Kupke dagegen. Das NKF wolle nur eine andere Art von Hilfsmitteln anbieten. Positive Erfahrungen hätten sich z.B. bei Inventuren gezeigt. Es ginge um „Verantwortung und die Pflege der anvertrauten Dinge“.  Die EKD habe ein Haushaltsbuch eingeführt, in dem Ziele und Indikatoren benannt worden seien. Damit sei auch eine Kontrolle der eigenen Ziele möglich. Erfahrungen zeigten, Pfarrer hätten mit den neuen Hilfsmitteln entdeckt, „Pfarrdienst ist wertvoll“.

Zahlreiche Mitglieder der Pfarrkonferenz bezweifelten die Vorteile des NKF. Es sei nicht absehbar, wie teuer die Umstellung und der Betrieb wären, wie sich die Bilanzierung verbessere, wo der „Erkenntnisgewinn“ liege. Der Pfarrberuf sei „ein Raum der Freiheit“, der sich nicht in operationalisierbare Einheiten verwandeln lasse. Im Bereich der Seelsorge ließen sich die Aufgaben nicht quantifizieren.

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Ein Beitrag
  1. Hier kann man Herrn Prof. Jähnichen wieder einmal nur Recht geben! Kirche und Pfarrer, in enge systemkonforme Fesseln gezwungen, sind nicht mehr Kirche und Pfarrer, weder wie die Gemeindeglieder sie sich wünschen, noch wie Martin Luther sie wollte. Pfarrer mit gedeckelten Dienstzeiten sind ebenso unvorstellbar, wie unser Herr mit Sprechstunden.
    Und im Übrigen: Wo sollen denn unsere Pfarrerinnen und Pfarrer in Zukunft die Zeit für die auf ihnen abgeladenen Verwaltungstätigkeiten her nehmen? Hat hier Jemand eine sich selbst erfüllende Prophezeiung im Blick? Es ist hier, wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens: Wenn die Vertreter/innen eines auch gegen den Willen Vieler installierten Systems es lange genug durchhalten, werden sie letztlich gewinnen. Da das in der Evangelischen Kirche um deren Überleben willen nicht sein darf: Lasst uns längeren Atem beweisen. Das geht aber nur, wenn wir an einem Strick ziehen (und am selben Ende) und mit einer (!) kritischen Stimme sprechen!

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