Kirchensteuern: Gute Zeiten für die Kirche – schlechte Aussichten für die Gemeinden Auf der Synode der EKD wird weiterhin einem Kürzungs- und Rücklagenkurs das Wort geredet

Der evangelischen Kirche geht es finanziell so gut wie lange nicht – das wurde nun auch offiziell auf der gerade tagenden Synode der EKD bekannt gegeben. „Über alle Gliedkirchen hinweg haben sich die Erträge der evangelischen Kirche 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro erhöht.“ Und: Obwohl sich die Mitgliederzahlen negativ entwickeln, „sei bei den Erträgen aus der Kirchensteuer auch für das nächste Jahr von einer »stetigen positiven Situation« auszugehen“. Dennoch wird gebetsmühlenartig wiederholt, was schon vor 10 Jahren falsch war: „Langfristig werde das jedoch nicht so bleiben.“Dass man die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen nicht an den Mitgliederzahlen festmachen und einen Zeitraum von mehr als drei Jahren auch nicht seriös prognostizieren kann, haben die vergangenen Jahre deutlich gemacht: Der an die Wand gemalte Teufel, die Kirchen hätten weniger Geld zur Verfügung und müssten daher in allen Bereichen Kürzungen hin- und Einsparungen vornehmen, um Rücklagen für die Pensionskassen zu bilden, wäre schon längst verblasst, wenn ihn die Verantwortlichen in den Finanzabteilungen – wie einst Luthers Tintenfleck auf der Wartburg – nicht immer wieder jedes Jahr von neuem aufgefrischt hätten. So aber kursieren Begriffe wie „Überkompensation“ und „Kaufkraftverlust“, die suggerieren, dass man mit den eigenen Prognosen im Grunde genommen Recht gehabt habe und die positive Entwicklung lediglich ein „Ausrutscher“ und ein „Glücksfall“ sei.

Nun liest man: „Der Rat der EKD habe sich bereits vorgenommen, darüber zu sprechen, wie zukünftig mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen umgegangen werden kann.“ Das verwundert einen dann schon, konnte man doch davon ausgehen, dass er dies schon seit Jahren tut, wenn auch nicht in aller Öffentlichkeit und an Landessynoden und Presbyterien vorbei (Stichwort: „Erweiterter Solidarpakt“). Da stellt sich natürlich die Frage, was in Zukunft noch auf die Gemeinden und Werke an der Basis zukommt, die von den sprudelnden Kirchensteuereinnahmen bisher nicht profitieren durften, sondern an allen Ecken und Enden Einsparungen vornehmen mussten, um steigende Personalkosten für NKF und zentralisierte Verwaltung aufzufangen. Dunkel erinnert man sich an mahnende Worte des ausgeschiedenen EKD-Finanzexperten Winterhoff, der von einem „Kassensturz“ im Anschluss an das Reformationsjubiläum sprach. Da kann einem schon die Feierlaune vergehen, vor allem, wenn man ahnt, wer am Ende die Zeche – mal wieder – bezahlen muss.

Warum fällt mir dazu das Gleichnis von den anvertrauten Talenten ein? Vielleicht weil es deutlich macht, dass derjenige, der ängstlich mit seinem Besitz umgeht und sein Geld lieber vergräbt als es zu investieren am Ende leer ausgeht. Es wird höchste Zeit, jenen in der evangelischen Kirche wieder finanziellen Spielraum zu gewähren, die nach allen Umfragen und Erhebungen die Menschen am ehesten erreichen: den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern in den Gemeinden und Werken vor Ort!


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