„Keiner hier findet NKF gut“ KirchenBunt war zu Gast im Pfarrkonvent des Kirchenkreises Oberhausen

„Man findet hier im Raum wohl niemanden, der NKF gut findet.“ So einmütig waren nicht alle Rückmeldungen zu den Themen, die KirchenBunt-Vorstandsmitglied Dr. Hartmut Becks in seinem Vortrag vor den Pfarrerinnen und Pfarrern des Kirchenkreises Oberhausen angeschnitten hatte. Kirchenbunt war der Einladung des Pfarrkonventes gefolgt und bekam auf dieser Ebene zum ersten Mal die Gelegenheit, die Ziele des Vereins vorzustellen: die presbyterial-synodale Ordnung im Sinne der Basis zu wahren.

Becks gab zunächst einen historischen Überblick über die Entstehung der presbyterial-synodalen Ordnung, die in der Evangelischen Kirche im Rheinland auf schon vorreformatorische Basisbewegungen zurückzuführen sei. Die aktuellen Änderungen, die mit dem Verwaltungsstrukturgesetz einhergehen, müssten kritisch hinterfragt werden, da es sich bei Kirchengemeinden um Körperschaften des Öffentlichen Rechts handle, die ein Recht auf Selbstverwaltung besitzen. Dieses Recht würde aber z.B. durch die nun verpflichtend eingeführte Zentralverwaltung unterlaufen. Dass zur Durchsetzung des Verwaltungsstrukturgesetzes gleichzeitig die Kirchenordnung geändert wurde, sei auch kirchenrechtlich fragwürdig. „Im Grunde genommen hätte jedes einzelne Presbyterium darüber abstimmen müssen.“, so Becks. Inzwischen ähnele die EKiR einem Kreuzfahrtschiff mit einer zentralen Kommandobrücke. Dem setzte der Pfarrer aus Alpen das Bild von Fischkuttern entgegen, die sich freiwillig zu einer Fanggemeinschaft zusammenschließen.

Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einer angeregten Diskussion, in der die Solidarität unter den Gemeinden (Stichwort: innersynodaler Finanzausgleich) und die Qualität der Verwaltung größere Rollen spielten. Wie viel Dirigat ist an diesen Stellen nötig, wie viel Eigenständigkeit möglich. Hier prägten vor allem persönliche positive wie negative Erfahrungen aller Beteiligten die Positionen – auf Seiten des Pfarrkonventes war man eher pessimistisch und zeigte Verständnis für mehr zentrale Entscheidungsprozesse, Becks hielt mit der freiwilligen Soldargemeinschaft und das Potenzial der Kirchengemeinden dagegen. Gewarnt wurde vor einem „Kirchturmdenken“ und einer „Wagenburgmentalität“, die man aus den Äußerungen Becks herausgehört zu haben glaubte. Demgegenüber betonte der KirchenBunt-Vertreter, dass man selbstverständlich Solidarität leben müsse, diese aber nicht von oben verordnen könne. Dies sei auch nicht der eigentliche Kritikpunkt an den Umstrukturierungen. Es gehe vielmehr darum, den Presbyterien die Verantwortung und Entscheidungskompetenz über ihre Gemeinden zu belassen. Beides werde ihnen aber durch eine immer häufiger auf das Tagesgeschäft Einfluss nehmende Gesetzgebung und Verwaltung mehr und mehr entzogen. Und ob diese nun effizienter und für den eigentlichen Auftrag der Kirche zielführender arbeite, müsse man erst abwarten. Teurer als geplant sei sie auf jeden Fall. Ob die bisher erreichte Qualität die anfallenden Mehrkosten rechtfertige, könne jedenfalls bezweifelt werden.

Sich einig war man am Ende jedenfalls darin, dass es Zeit für ein Moratorium sei, um all die eingeläuteten Reformprozesse evaluieren zu können und aus den Ergebnissen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Ob man dies gegenüber der Landeskirche vernehmlich artikulieren und damit Gehör finden wird, bleibt abzuwarten.

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