Es wird Zeit

Seit Jahren verfolgt unsere Landeskirche und die EKD eine die Ortsgemeinden aushöhlende Politik. Seit Jahren liegt man den Presbyterien mit Sparzwängen in den Ohren, die mit rückläufigen Kirchensteuereinnahmen begründet werden – was schlicht eine Lüge ist, denn die Kirchensteuereinnahmen sprudeln seit geraumer Zeit so gut wie lange nicht mehr. Seit Jahren werden Kompetenzen auf höhere Ebenen verlagert. Seit Jahren wird auf landeskirchlicher Ebene eine Misswirtschaft betrieben, die den Gemeinden das finanzielle Wasser abgräbt. Seit Jahren werden örtlich gewachsene Strukturen aufgedröselt und übergemeindlich neu gebündelt.

Und seit Jahren nehmen die Gemeinden vor Ort das einfach so hin … Für mich ist das umso irritierender, als gerade unsere Landeskirche das presbyterial-synodale Prinzip seit jeher hochgehalten hat und damit meiner Vorstellung vom Aufbau einer evangelischen Kirche – nämlich von unten nach oben – am nächsten kam. Doch scheinbar hat sich unter den verantwortlichen Leitungsgremien in den letzten Jahren ein folgenschwerer Sinneswandel ergeben, der eine Hierarchisierung unserer Kirche fatalistisch hinnimmt. Es mag sein, dass sie durch die ständige, von oben aufoktruierte Finanzdiskussion müde und abgelenkt wurden und werden. Doch inzwischen gibt sogar die Landeskirche offen zu, dass den Presbyterien wichtige Kompetenzen entzogen wurden.

Es ist traurig, aber wahr: Mut machen mir im Moment Gemeinden anderer Landeskirchen, die kritischer, selbstbewusster und aktiver dieser Entwicklung entgegentreten. Seit geraumer Zeit gründen sich so genannte “Gemeindebünde”, die sich als kritisches Gegenüber ihrer Landeskirche verstehen und die Entscheidungen von oben nicht alternativlos hinnehmen. Als Beispiele seien die Gemeindebünde in Bayern (http://aufbruch-gemeinde.de) und in Berlin-Brandenburg/schlesische Oberlausitz genannt. An ihnen können wir uns in unserer Landeskirche ein Beispiel nehmen.

Der Fisch, ein altes christliches Symbol, stinkt vom Kopf her. Darum wird es endlich Zeit, dass auch unsere Kirchengemeinden ihr evangelisches Selbstbewusstsein wieder entdecken und eigene Ideen und Wege entwickeln, Kirchengemeinden zu erhalten und zu fördern, anstatt sie totzufusionieren. Es wird Zeit für den GemeindeBunt im Rheinland. Dazu fähig und dazu begabt sind wir allemal – und ich behaupte: wir sind dazu auch beauftragt!

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