Geplanter Abschied von der Gemeindekirche Pfr. Dr. Christoph Bergner entlarvt die Strategie der EKD und Landeskirchen, eine Kirche von oben zu etablieren.

„Offenkundig bedeutet die Kirchenreform eine gravierende Änderung. War bislang die Ev. Kirche auf die Gemeinde gegründet und verstand sich in der lutherischen und reformierten Tradition als Gemeindekirche, so wird nun die Kirche von oben nach unten gedacht und organisiert.“

Lassen wir die theologischen Probleme ausnahmsweise außen vor, so stellen sich praktische Probleme ein:
Die neue Kirche braucht viel Verwaltung und diese Verwaltung hat es immer noch mit den gleichen Menschen, Kirchenvorständen, Gemeinden etc. zu tun, wie vorher. Das führt zu hohen Reibungsverlusten. Aus der Fülle der Erfahrungen seien zwei geschildert:

1. Wir planen eine ökumenische Gemeindefahrt und wollen gern mit Vertretern der Kirchen sprechen. Mein katholischer Kollege kann innerhalb von einigen Tagen einen Bischof für ein Gespräch gewinnen. Ich rufe bei einer ev. Kirchenverwaltung an. Auf der Suche nach meinem Gesprächspartner werde ich mit fünf unterschiedlichen – immer ausnehmend freundlichen Menschen – verbunden, bis ich den persönlichen Referenten der gewünschten Person erreiche. Er hört mich freundlich an und macht den Eindruck, als ob ich ein seelsorgerisches Problem habe. Am Ende erfahre ich, dass auch er für Termine nicht zuständig sei. Ich solle eine Mail schreiben, dann würde ich bald Auskunft erhalten. Mitte Juni schreibe ich die Mail. Ende Juli werde ich telefonisch informiert, dass ich nach den Sommerferien Auskunft erhalte. Pünktlich nach den Sommerferien trifft die angekündigte Mail ein. Eine einfache Terminabsprache hat knappe drei Monate gedauert.

2 Eine Gemeinde bekommt einen Kirchenmusiker, der auf Dekanatsebene angestellt wird. Nach 18 Monaten erhält sie vom Dekanat eine Dienstanweisung zur Unterschrift, die nicht den Verabredungen entspricht und auch nicht die nötige Zahl an Vertragsexemplaren hat. Eine Korrektur ist nötig. Ein Satz muss eingefügt werden. Das dauert 4 Monate.

Von solchen Erfahrungen lassen sich Dutzende erzählen. Die Kirche verstrickt sich in ihren vielen Projekten, Absprachen, Planungen, Evaluationen. Einfachste Abläufe werden zum Problem. Es gibt keine angemessene Kontrolle mehr. Wenn Gemeinden nicht mehr Pfarrer in die Synode wählen dürfen, ist die Verbindung von Pfarrer und Gemeinde gekappt. Da viele Gemeinden nur noch einen einzigen Vertreter entsenden dürfen, können gute Beziehungen und Vertrauen in den wenigen Stunden, die man zweimal im Jahr zusammen verbringt, kaum entstehen. Die Verwaltung hat alles in der Hand. Da die Verwaltungswege und die Entscheidungen immer komplexer werden, überschauen die Synodalen oft nicht mehr die Folgen ihrer Entscheidungen. Ein ernsthafter Diskurs ist kaum noch möglich. Immer weniger Menschen sind daher bereit, in eine Synode zu gehen. Die Fluktuation ist so hoch, dass eine kontinuierliche Beratung und Kontrolle der Kirchenleitung kaum möglich ist.
Wie konnte es dazu kommen?


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