EKiR: Theologie scheint machtlos Deutliche Worte aus dem Pfarrverein: Kritikfähigkeit lässt zu Wünschen übrig

Der Vorsitzende des rheinischen Pfarrvereins, Friedhelm Maurer, findet in seinem diesjährigen Bericht am 2. November deutliche Worte, was den Zustand der Evangelischen Kirche im Rheinland betrifft: „Nicht der Geist des Evangeliums bestimmt unsere Kirche, vielmehr reden uns andere Geister ein, wo es langgehen soll. Wir entwickeln uns zu einer schwerfälligen Verwaltungskirche. Neues Kirchliches Finanzwesen (NKF), Verwaltungsstrukturreform – und neuerdings IT-Sicherheit – verschlingen Zeit, Kraft und jede Menge Kirchensteuergeld. Theologie scheint machtlos.“

Darüber hinaus konkretisiert er die Problemzonen unserer Landeskirche an unterschiedlichen Themen, z.B.

zur Top-Down-Struktur:

Warum stehen Presbyterinnen und Presbyter, Pfarrerinnen und Pfarrer nicht endlich gemeinsam auf, um die Wertigkeiten in unserer Kirche wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen? Die evangelische Kirche baut sich „von unten“ auf, ihr einziges Haupt ist der Herr der Kirche, Jesus Christus, „von oben“ erwartet sie allein das Wirken des Heiligen Geistes.

Entmündigung hat auch immer die Seite der Bequemlichkeit dessen, der sich entmündigen lässt. Subsidarität geht verloren, wo sie doch gefördert werden sollte in einer protestantischen Kirche.

zur Verwaltungsstrukturreform:

In den Kirchenkreisen werden wir wohl bald überall mehr Mitarbeitende in der Verwaltung als im Dienst der Verkündigung, als im Bereich der Bildung und Seelsorge haben. Verwaltung generiert noch mehr Verwaltung. Denn sie muss ihre Notwendigkeit ja beweisen.

Die Verwaltung wächst und wächst. Mit dem Argument, die Qualität solle gesichert und verbessert werden. Im Pfarrdienst sucht man diese Argumentation vergeblich. Hier werden von oben weitere Kürzungsvorgaben gemacht, ohne zu fragen, wie etwa die Qualität der seelsorglichen Arbeit durch den weiteren Abbau von Präsenz gewährleistet werden soll.

zu NKF:

Bezüglich NKF versprach man uns, das Finanzwesen zu verbessern, Probleme zu lösen. Recht betrachtet Probleme, die eigentlich niemand oder nur wenige hatten, die man an gegebene, Ort hätte lösen können durch Erfüllung der durch die entsprechenden Ordnung vorgegebenen Hausaufgaben. Nun hat man neue Probleme geschaffen, die nun wirklich niemand braucht! Die doppelte Buchführung passt nicht zum „Unternehmen“ Kirche! Wie sollen wir etwas im Bilanzsystem unter „Aktive“ und „Passiva“ das erfassen, was Kirche ausmacht?

Was wir zur Zeit in  unserer Kirche tun, ist gerade auch ökonomisch völlig daneben. In der Verwaltung wird ein Aufwand betrieben, der in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Hier sollten wir endlich „uns ehrlich machen“, wie eine in de Politik zunehmend gebrauchte Redewendung es ausdrückt, die zwar etwas schräg und dämlich daherkommt, aber immerhin anzeigt, dass man auch da erkennt, dass es mit einem „weiter so!“ nicht mehr funktioniert.

zum Auswahlverfahren:

Abgeschafft gehören auch die so genannten Auswahl- und Bewerbungsverfahren. Sie schrecken den theologischen Nachwuchs ab, der ja ohnehin nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden ist. Wer viele Jahre Theologie studiert hat, seine Qualifikation in zwei umfangreichen Examina nachgewiesen hat, in denen auch praktische Arbeit bewertet wurde, darf nicht am Ende durch den Flaschenhals einer kleinen Jury geschickt werden, die über die Anstellungsfähigkeit befindet. Und wer sich in seinem Dient in vielen Jahren bewährt hat und das auch durch Referenzen nachweisen kann, wer seine Pfarrstelle nicht durch eigenes Verschulden verloren hat, darf nicht durch ein Casting gezwungen werden und durch die Momentaufnahme eines Auswahltages seiner Bewerbungsfähigkeit verlustig gehen. Hinsichtlich beider Assessment-Verfahren gilt, was uns auf dem Weg zum großen Reformationsjubiläum auch noch einmal wieder besonders bewusst werden sollte, dass es die Gemeinde ist, die das Recht der Pfarrwahl hat, und dass dieses Recht nicht durch eine entmündigende Vorauswahl beschnitten werden darf.

zur Uneinsichtigkeit:

Können also Menschen, die in Hierarchien denken, Hierarchien abschaffen und zu wahrer Partnerschaft und Partizipation finden, können Bürokraten ausufernde Bürokratie überwinden, können die, die NKF und Verwaltungsstrukturreform eingeführt haben den Unsinn, wo er sich den zeigt, wieder abschaffen? Oder würde man es vielleicht sogar gerne, hat aber Angst vor einem „Gesichtsverlust“?


→ … den ganzen Artikel lesen …

 

Download PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.