EKiR-NKF: Schrecken ohne Ende Finanzbericht 2017: Probleme mit Rechnungsabschlüssen. Personalstand reicht nicht.

In seinem Finanzbericht vor der gerade zu Ende gegangenen Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist Oberkirchenrat Bernd Baucks auch auf das immer noch vorhandene Problem der fehlenden Haushaltsabschlüsse eingegangen. Er stellt fest: „flächendeckend besteht das Problem fort bzw. wird über den Zeitablauf größer.“

Die Rückstände reichen teilweise bis zu fünf Jahren zurück, alles in allem sind es an die 700 Eröffnungsbilanzen und 1.900 Jahresabschlüsse – entweder noch nicht erstellt, oder noch nicht geprüft.

Dabei wurde auf Initiative des Landeskirchenamtes den Verantwortlichen empfohlen, „im Rahmen eines risikoorientierten Prüfungsansatzes auf die Prüfung einzelner Jahresabschlüsse zu verzichten.“ (Beim risikoorientierten Prüfungsansatz werden jene Bereiche der Rechnungslegung intensiver überprüft, die nach vorheriger Analyse als risikobehaftet erkannt wurden, um dadurch das Risiko zu minimieren, dass die Prüfer Fehler nicht entdecken, die wesentliche Auswirkungen auf die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung und der Berichterstattung haben – was das Verfahren beschleunigt und wirtschaftlicher macht, die als unwesentlich eingestuften Fehler jedoch ausgeklammert werden. Auch bei den Kommunen hat diese Vorgehensweise nach Einführung der Doppik an Bedeutung zugenommen. Weitere Informationen hierzu: http://www.boeckler.de/pdf/mbf_rechtsfragen_kapitel4.pdf) Baucks nennt diese Entwicklung „besorgniserregend“ und stellt fest:

Bei der Rechnungsprüfung zeigt sich durch die wachsende Bugwelle von ungeprüften Bilanzen und Abschlüsse, dass die Bewältigung mit dem vorhandenen Personal nicht zu bewältigen ist – es fehlt an manchen Stellen noch an ausreichend vorhandener Fachkompetenz und besteht Fortbildungsbedarf, der wiederum Zeit kostet – nicht zuletzt aber fehlt es an hinreichenden Personalstellen, um den Berg abzuarbeiten.

Nicht zuletzt der wohl erhebliche Unmut, der von den betroffenen Presbyterien geäußert wurde, hat nun Düsseldorf dazu veranlasst, unterstützend einzugreifen:

Wir sind aus dem Landeskirchenamt aktiv geworden und bieten Beratung und Unterstützung an, insbesondere bei der Prozessorganisation in den genannten Feldern. Ebenso sind wir dabei, gemeinsam mit der Rechnungsprüfung einen Lösungsweg zu entwickeln, wie durch eine Gesamtpersonalplanung über die Rechnungsprüfungsämter hinweg mit der Situation umgegangen werden kann.

Fazit: Bis die gravierende Umstellung von der Kameralistik zur Doppik und des damit verbundenen Neuen Kirchlichen Finanzmanagements die versprochenen Einspar- und Effizienzeffekte zeigt, wird wohl noch viel Wasser den Rhein herunterfließen – womöglich werden sie nie erreicht werden. Wie heißt es zu Beginn des Finanzberichtes?

Komplexe Systeme vertragen einiges, aber keine radikalen Richtungsänderungen – solche sind entweder im Rechtsrahmen nicht vorgesehen bzw. nicht durchsetzbar, oder führen zur Unbeherrschbarkeit des Gesamtsystems.

Stimmt!


→ … Finanzbericht Baucks 2017 …

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2 Beiträge
  1. Wenn man von Seiten der Kirchenleitung billigend in Kauf nimmt, dass die Übersicht über die Finanzen verloren geht, geht man eindeutig verantwortungslos mit den Geldern der Kirchenmitglieder (=Kirchensteuern) um und ist ist mitverantwortlich dafür, dass die Menschen der Kirche den Rücken kehren und austreten. Da wo das Geld gebraucht wird, vor Ort in den Gemeinden, kommt es nicht an. Mit Personalmangel entschuldigt man Pannen, die offensichtlich gewollt sind. Welch eine Haltung und das auf christlichem Hintergrund. Abscheulich!

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