Die neue Ordnung in der Kirche Der evangelische Theologe Ingo Baldermann über Qualitätsmanagement und hierarchisierende Reformprozesse

Der evangelische Theologe Ingo Baldermann analysiert in einem Beitrag auf zwischenrufe-diskussion.de die bisherigen Auswüchse marktwirtschaftlich inspirierter Reformprozesse und führt ihre Intention ad absurdum. Sein Fazit: „Es geht nicht mehr darum, den Anfängen zu wehren; das haben schon viele versucht, auch vielstimmig genug, etwa in der Wormser Erklärung und dem Erfurter Wort. Es geht darum, jetzt zu verhindern, dass unsere Gemeinden faktisch entmündigt werden und unsere Kirche damit preisgibt, was von Anfang an  ihr ureigenstes Profil war.“

6. Bisher war die Kirche in der modernen wie schon in der spätantiken Gesellschaft gerade dadurch  attraktiv, dass hier exemplarisch ein anderes Zusammenleben praktiziert wurde als in den autoritären Strukturen der Massengesellschaft, die damals wie heute ohne Sklavenarbeit nicht funktioniert. Diese Attraktivität, die unsre Gemeinden noch immer trägt, wird von Grund auf zerstört, wenn die Kirche nun nach den Kriterien einer  ideologisch radikalisierten Betriebswirtschaft umstrukturiert wird. In diesen Strukturen werden wir alle heimatlos.

7. Durch die NKF (Neue kirchliche Finanzordnung) wird die genaue Erfassung und Erhaltung aller Sachwerte zum entscheidenden Maßstab, und die Erfahrung zeigt, wie blühende Gemeinden dadurch unversehens bettelarm gerechnet werden können und nicht mehr die notwendigsten Mittel für ihre profilierte Gemeindearbeit behalten. Dagegen explodieren die Kosten der Verwaltung durch das Anwerben „hochqualifizierter Fachkräfte“. Wir vergessen nicht, wie durch die beflissene Anpassung an die Praktiken moderner Geldwirtschaft schon Kirchensteuergelder in Millionenhöhe durch Fehlspekulation sinnlos verbrannt worden sind.

Fazit: Auf der Suche nach dem Sinn derart sinnlos und zerstörerisch wirkender Ordnungen gewinnt man am ehesten Klarheit durch die Frage: Cui bono – wem nützt das? Hier ist die Antwort erschreckend einfach: Die von oben her (wie gegenwärtig auch in den Schulen) angeordnete Qualitätskontrolle erzeugt von selbst hierarchisch strenge autoritäre Strukturen. Die neue „Ordnung“ wird von oben nach unten durchgesetzt und kontrolliert, und so wird die Verwaltung, bisher von den Gemeinden dankbar als Hilfe akzeptiert, zu einer Kontrollinstanz, die künftig auf keine Kritik der Basis mehr hören, geschweige denn antworten muss.


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