Deregulieren – und die Kirche im Dorf lassen Landeskirchenamt: Mehr intelligente Deregulierung bei Vorgaben der Landeskirche

Es sind Sätze, die aufhorchen lassen: Auf der Herbstsynode des Kirchenkreises An der Agger überbrachte der Vizepräses der EKiR, Christoph Pistorius, eine Nachricht des Präses Manfred Rekowski, die vor allem den Superintendenten erfreute: „Man brauche mehr intelligente Deregulierung bei Vorgaben der Landeskirche, zitierte Pistorius deren leitenden Geistlichen. Diese »bemerkenswerte Anweisung«, so Superintendent Knabe, erlaube den Gemeinden »Einzellösungen auf der lokalen Ebene zu finden«. Ein Punkt, der bei der geplanten Reform der Verwaltungsstruktur große Bedeutung erfahren könnte. Und weil dies ebenfalls auf der Forderung nach neuen Dialogen basiert, verstanden die Gemeindevertreter die jüngste Synode als starkes Votum für ein neues Miteinander.“

Sollte in Düsseldorf – zwar langsam, aber doch spürbar – ein Umdenkungsprozess im Gange sein? Die Signale sind noch widersprüchlich und deuten darauf hin, dass es innerhalb des LKA ein „Gerangel“ darum gibt, wie viel Freiheiten man den Kirchengemeinden bei der Umsetzung von Struktur- und Verwaltungsreformen einräumen will.  Deren negative Auswirkung bringt der Vorsitzende des Pfarrerverbandes, Andreas Karnt, auch in Verbindung mit dem Mangel an Nachwuchstheologen. In seinem Vorstandsbericht bei der diesjährigen Mitgliederversammlung sagte er:

Wie kann dem Pfarrermangel begegnet werden? Indem die Kirche »im Dorf« gelassen wird. Das bedeutet, alle Strukturprogramme zu überprüfen und anzuerkennen, dass Kirche von unten lebt. Menschen sind mit ihrer Gemeinde, in der sie leben, verbunden. Einrichtungen und Werke in Gemeinden und Stadtteilen sind ihnen vielfach vertraut, werden von ihnen oder Angehörigen genutzt, bieten Arbeitsplätze vor Ort. Je größer die Einheiten durch Auflösung oder Fusion werden, desto weniger überschaubar sind sie für den Einzelnen, desto weniger wird sich die Einzelne mit ihnen identifizieren. Zentralisierung zerstört stabile dezentrale Strukturen. Sie nimmt Menschen nicht ernst, die sich bisher in hohem Maße engagiert haben. Sie missachtet die Bereitschaft, Kirche vor Ort demokratisch zu verantworten. Volkskirchliche Strukturen werden wegrationalisiert. Religiöse Sprachfähigkeit und Verbundenheit zu Kirche und Glaube werden dadurch nicht gefördert. Menschen wollen beteiligt werden. Das geht nur in lokalen, überschaubaren Einheiten. Sie gewährleisten Nähe und Verbundenheit. Sie lassen sich vernetzen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Großgemeinden können nur hauptamtlich geleitet werden, also durch Pfarrerinnen und Pfarrer. Die fehlen dann aber für Theologie und Seelsorge. Überschaubare Einheiten können auch ehrenamtlich geleitet werden. Die Kirche bleibt im Dorf, im Stadtteil, da, wo Menschen leben und verwurzelt sind. Und diese Menschen haben eine Pfarrerin oder einen Pfarrer für Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge – nur nicht mehr für sich alleine. Und ganz nebenbei: Solcherart Beteiligungskirche könnte einladend sein für junge Menschen, sich für Theologie und Pfarramt zu interessieren.


→ Artikel zur Kreissynode des KK An der Agger …
→ Vorstandsbericht Andreas Karnt …

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