Kirchensteuerhoheit ade! Baucks: Kirchensteuerhoheit der Gemeinden nicht konstitutives Element der presbyterial-synodalen Ordnung

Zuerst die Verwaltung, jetzt das Geld: In nicht allzu ferner Zukunft soll den Kirchengemeinden die Kirchensteuerhoheit genommen und auf die Kirchenkreisebene verlagert werden. Anders ist jedenfalls eine Passage im diesjährigen Finanzbericht von Oberkirchenrat Bernd Baucks nicht zu verstehen. Dort heißt es: „Die Erwartung ist, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Kirchensteuerzahlungen nicht mehr gemeindebezogen, sondern landeskirchenbezogen über den sogenannten Trennscharfen Religionsmerker erfasst werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, wird als hoch eingeschätzt. Damit wäre die jetzt geltende Kirchensteuerhoheit der Gemeinden nicht aufrechtzuerhalten.“ Und wenige Zeilen darunter: „Durch das Umverteilungssystem entspricht bereits die derzeitige Methode der Kirchensteuerverteilung eher einem Prinzip der Kirchenkreissteuer als dem der Kirchengemeindesteuer. Es hat also bereits jetzt relativ wenig Sinn, die Kirchensteuerhoheit der Gemeinden als konstitutives Merkmal der presbyterial-synodalen Ordnung besonders hervorzuheben. Sie ist es schon jetzt nicht.“ (→ Finanzbericht 2016) Artikel lesen

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Gemeinde geht vor!Ort … Ein erster Blick in die ausführliche Auswertung der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD

2016 könnte das Jahr der Ortsgemeinden werden. Jedenfalls dann, wenn sich die Landeskirchen mit ihren Synoden und in ihren Entscheidungen an den Ergebnissen der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD orientierten. Dies würde jedoch in manchen Bereichen einen radikalen Gesinnungswandel und den Willen zu Korrekturen voraussetzen. Denn der vor einigen Wochen im Gütersloher Verlagshaus erschienene, fast 550 Seiten starke offizielle Auswertungsband lässt schon bei einer ersten Durchsicht keine Zweifel daran, wo die größte Bindungskraft und Stärken der evangelischen Kirche liegen: in den parochial organisierten Ortsgemeinden! Artikel lesen

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Zentrales Bewerbungsverfahren: Entmündigung der Presbyterien Offener Brief an die Kirchenleitung von Pfarrerin Christina van Anken.

Auf seiner diesjährigen Herbstsynode hat der Kirchenkreis Oberhausen einen Antrag an die Landessynode beschlossen, das zentrale Bewerbungsverfahren komplett einzustellen (KirchenBunt berichtete). In ihrem Gastbeitrag für KirchenBunt fasst Christina van Anken, Pfarrerin der Ev. Kgm. Königshardt-Schmachtendorf, in einem persönlichen Statement und offenen Brief an die Kirchenleitung die Argumente für eine Einstellung noch einmal zusammen.  Artikel lesen

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EKD ist Kirche? Widerspruch!

Die EKD hat sich durch ihre Synode während ihrer Tagung in Bremen vom 4. – 11. November 2015 tatsächlich zur Kirche im theologischen Sinne erhoben. Im „Beschluss zum Kirchengesetz zur Änderung der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland“ heißt es:

Artikel 1 Absatz 1 der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 13. Juli 1948 (ABl. EKD S. 233), in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. November 2003 (ABl. EKD 2004 S. 1), die zuletzt durch Kirchengesetz vom 12. November 2013 (ABl. EKD 2013 S. 446) geändert worden ist, wird wie folgt gefasst:

„(1) Die Evangelische Kirche in Deutschland ist die Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Sie versteht sich als Teil der einen Kirche Jesu Christi. Sie achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden und setzt voraus, dass sie ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen. Sie ist als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen Kirche.“

Dieser Beschluss kann nicht unwidersprochen stehen bleiben und sollte schon gar nicht von den Landeskirchen einfach abgenickt werden. Denn er steht theologisch auf tönernen Füßen, die wegbrechen, wenn sich die EKD und ihre Gliedkirchen an ihre eigenen Vorgaben halten.

Im geänderten Artikel 1 heißt es: Die EKD „achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden“. Das bedeutet, dass sie sich diese Bekenntnisse zu eigen macht bzw. ihnen nicht widersprechen will. In der Kirchenordnung z.B. der Evangelischen Kirche im Rheinland wird jedoch direkten Bezug auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934 genommen. Im Grundartikel I, Abs. 6 heißt es: „Sie (die Evangelische Kirche im Rheinland) bejaht die Theologische Erklärung der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche von Barmen als eine schriftgemäße, für den Dienst der Kirche verbindliche Bezeugung des Evangeliums.“ Pfarrerinnen und Pfarrer wurden und werden u.a. auch unter diesem Bekenntnis ordiniert.

Nun definiert die dritte Barmer These Kirche wie folgt: „Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt.“ (→ Quelle) Damit folgt Barmen III dem Augsburgischen Bekenntnis aus dem Jahre 1530, insbesondere dem 7. Artikel (Confessio Augustana 7), in dem es heißt: „Es wird auch gelehrt, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden.“ (→ Quelle)

Als „Versammlung aller Gläubigen“ (CA 7) und „Gemeinde“ (Barmen III) ist aber eine konkrete Gemeinschaft von Menschen gemeint, wie sie z.B. eine parochiale Kirchengemeinde bildet. Dieses Verständnis von Kirche ist auch schon im neutestamentlichen Begriff „ekklesia“ intendiert, der ursprünglich die profane Volksversammlung meinte (→ Quelle) und den Paulus als Bezeichnung von Kirche auf die christlichen Urgemeinden – sicher nicht unüberlegt – übertrug. (Siehe hierzu den erhellenden Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Mechels → Quelle).

Der Kirchenbegriff der EKD ist aber ein völlig anderer – und das, obwohl sie selbst in ihrer Grundordnung Art. 3 ausdrücklich auf Barmen verweist und „sich verpflichtet, als bekennende Kirche die Erkenntnisse des Kirchenkampfes über Wesen, Auftrag und Ordnung der Kirche zur Auswirkung zu bringen.“ (→ Quelle) Nun heißt es aber in der Neufassung: „Sie (die EKD) ist als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen Kirche“. Hier ist zwar das konstituierende Element der Gemeinschaft genannt. Aber zum einen ist damit keine konkrete Gemeinde bzw. Versammlung von Gläubigen gemeint, sondern Institutionen! Zum anderen fehlt völlig der direkte Bezug auf Wort und Sakrament! Dieser kann zwar aus dem vorherigen Passus („Sie (die EKD) … setzt voraus, dass sie (ihre Gliedkirchen) ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen“) herausgelesen werden. Jedoch ist von einer evangeliumsgemäßen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung der EKD selbst keine Rede! Diese ist aber sowohl nach CA 7 und Barmen III Voraussetzung dafür, dass sich Jesus Christus in der Gemeinschaft ereignet und damit Kirche konstituiert.

Darüber hinaus ist das Verfahren der Selbsterklärung zur Kirche zu hinterfragen. Hat es in den einzelnen Landeskirchen, auf Kirchenkreis- bzw. Dekanatsebene und vor allem in den Ortsgemeinden einen intensiven Informations- und Diskussionsprozess zu dieser Frage gegeben? Meines Wissens nicht. Das passt jedoch zum inzwischen höchst bedenklichen Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der EKD-Führung, die seit spätestens 2006 mehr „ex cathedra“ als basisorientiert agiert. Auch das sollte nicht nur unseren landeskirchlichen Synodalen zu denken geben. Denn damit entwickelt sich der Dachverband EKD immer mehr zu einer Deutschen Evangelischen Kirche mit körperschaftlichem Rechtsstatus, die noch unabhängiger von der Basis Entscheidungen fällen und bis zur ersten Ebene durchsetzen kann. Von einer von unten aufgebaute evangelische Kirche kann spätestens dann nicht mehr gesprochen werden!

Es wird sich zeigen, ob die einzelnen Landeskirchen diese Gesetzesänderung ratifizieren. Wir werden dann wissen, wie viel Evangelisches noch in ihnen steckt oder ob sie ihr Selbstbewusstein schon längst an den Nagel gehängt haben.

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Barmen 3: Die Kirche ist die Gemeinde! In seinem Vortrag über die Barmer Theologische Erklärung und ihre Bedeutung für heute stellt Prof. Dr. Mechels die Gemeinde als konstituierendes Element der Kirche heraus

Gerade hat die Synode in Bremen mit Hilfe einer Verfassungsänderung beschlossen, dass die EKD Kirche sei. Damit steht sie aber nach Meinung Prof. Dr. Mechels in eklatantem Widerspruch zur Barmer Theologischen Erklärung. Denn in Barmen III heißt es: Die Kirche ist die Gemeinde! Wir dokumentieren Auszüge aus seinem Vortrag „Die Barmer Theologische Erklärung und ihre Bedeutung heute“, den wir auch als Download zur Verfügung stellen. Artikel lesen

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„Kirche der Freiheit“ – Abgesang auf ein kirchliches Altpapier

2007, ein Jahr nach Erscheinen des Impulspapiers „Kirche der Freiheit“, legte Florian Lenz in seiner Diplomarbeit1)Kirche der Freiheit? – Eine religions- und organisationssoziologische Analyse des Impulspapiers der EKD, GRIN Verlag GmbH 2013 eine religions- und organisationssoziologische Analyse des Dokuments vor, die im Nachhinein ein interessantes Licht auf die Entwicklung der vergangenen Jahre in unseren Landeskirchen wirft. Er kommt seinerzeit zu dem Schluss, dass die von Huber & Co. verantworteten Reformideen nur dann erfolgreich umgesetzt werden könnten, wenn sich die Evangelische Kirche eine neue Organisationsstruktur zu eigen machen würde: Artikel lesen

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Anmerkungen   [ + ]

1. Kirche der Freiheit? – Eine religions- und organisationssoziologische Analyse des Impulspapiers der EKD, GRIN Verlag GmbH 2013

Vorsicht! Satire: Kirche der Zukunft Ein nicht ganz so ernst gemeinter Blick ins Jahr 2035

Die rheinische Landeskirche hat einen Weg eingeschlagen, auf dem zur Bewältigung der erwarteten Finanz- und Mitgliederkrise massive Einsparungen in den Gemeinden und allen anderen kirchlichen Handlungsfeldern vorgenommen werden. Nur im Bereich von Verwaltung und Finanzorganisation wird massiv investiert. Wie kann das sein, dass die Reduzierung des Kerngeschäfts zur Ausweitung der nachgeordneten Dienste führt? Und wohin soll das führen? Vielleicht in diese Zukunft?: Artikel lesen

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Den Reformprozessen fehlt es an gesundem Menschenverstand Prof. Gerhard Wegner von der Uni Marburg und Redakteur Rheinhard Bingener von der FAZ zu den Ergebnissen der KMU V.

Der Kirchentag ist vorbei. Und? Sind wir, was unsere Kirche betrifft, nun klug geworden? Oder zumindest etwas schlauer als vorher? Wer in Stuttgart dabei war, konnte – wie auf den vergangenen Kirchentagen zuvor – wieder einmal feststellen, dass Kirche von der Basis her lebt und in die Welt hinein wirkt: bunt, vielfältig, überzeugend, menschennah, spannend, phantasievoll – so geht Kirche! Natürlich braucht es die Organisation, die Logistik im Hintergrund, die Raum für die Entfaltung der Menschen schafft. Aber das Herz der Kirche ist eben nicht die Verwaltung, wie es jüngst eine Superintendentin in ihrer Predigt formulierte. Das Herz der Kirche ist der Glaube, für den die Menschen vor Ort und gegenüber der Welt mit ihren Worten und Taten einstehen und werben – je konkreter desto besser.  Artikel lesen

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Was sich liebt, das neckt sich Siegfried Eckert zu Besuch in Pfarrkonvent Köln-Rechtsrheinisch

Bei dem Konvent am 22. April in Köln-Neubrück waren knapp dreißig Kolleginnen und Kollegen (ein recht gut, aber nicht überdurchschnittlich besuchter Konvent) anwesend, die alle mit großer Sympathie auf den Referenten reagierten. Ich habe niemanden wahrgenommen, der oder die sich mit kritischer Einstellung gemeldet hat. Artikel lesen

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SOS Pfarrdienst! Ein Umsteuern ist dringend erforderlich

Man muss Alarm schlagen. Vor allem in den strukturschwachen Peripherieregionen der evangelischen Kirche im Rheinland ist die Grundversorgung pastoraler Dienste nicht mehr gesichert. Immer häufiger treten Situationen auf, in denen Menschen händeringend nach einem Pfarrer oder einer Pfarrerin suchen, weil eine Beerdigung, ein Hochzeitsjubiläum oder eine Trauung ansteht. In den ländlichen Kirchenkreisen treten zum Teil erhebliche Lücken bei der Notfallseelsorge auf. Die Demographie schlägt hier voll zu. Pfarrerinnen und Pfarrer werden immer weniger und immer älter. Verbindet sich dieser Tatbestand mit einem repressiven, wenig einfühlsamen Leitungsstil auf Kirchenkreisebene, steigt der Krankenstand. Kolleginnen und Kollegen gehen aus Gesundheitsgründen vorzeitig in Pension, die Belastung für die verbliebenen wächst. Diese Situation ist für unsere Kirche brandgefährlich. Wenn Menschen in Krisensituationen nicht mehr zeitnah einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin finden, baut sich Frust auf, der den Mitgliederverlust beschleunigen dürfte. Artikel lesen

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