Braunschweig: Strukturreformen und die Zufriedenheit von Pfarrerinnen und Pfarrern Das Sozialwissenschaftliche Institut (SI) der EKD hat eine neue Befragung durchgeführt. Besonders interessant sind die Ergebnisse zu den geplanten Strukturveränderungen in der braunschweigischen Landeskirche.

„Am höchsten ist die Unzufriedenheit mit dem Umgang der Kirchenleitung mit Pfarrerinnen und Pfarrern und mit der Weihnachtsgeldregelung (beides 76% sehr oder eher unzufrieden), gefolgt von der Schönheitsreparaturenpauschale (69%) der Streckung der Durchstufung (68%), den kirchlichen Strukturveränderungen (67%), der Aufgeschlossenheit der Landeskirche gegenüber neuen Ideen (66%) und dem Image der Landeskirche (61%; nur 2% sehr/eher zufrieden). Hier artikuliert sich eine Unzufriedenheit, die zum einen recht konkreten Maßnahmen wie den finanziellen Belastungen oder den kirchlichen Strukturveränderungen gilt. Zum anderen geht es aber auch um eher »kulturelle« Faktoren wie den Umgang der Landeskirche mit dem Pfarrpersonal oder ihre Aufgeschlossenheit, schließlich auch um das Image der Landeskirche.“

Für die Umsetzung der Gestaltungsräume schlägt die braunschweigische Landeskirche drei Strukturmodelle vor: die Einheitsgemeinde sowie den Pfarrverband alten bzw. neuen Typs. Die Einheitsgemeinde ist das klassische Fusionsmodell, »der Zusammenschluss von mehreren Kirchengemeinden zu einer Kirchengemeinde«. Dagegen stellt der Pfarrverband alten Typs einen Zusammenschluss von »maximal fünf Kirchengemeinden« dar, die ihren Charakter als Körperschaften öffentlichen Rechts behalten. Während dieser Verbund selber keine Körperschaft öffentlichen Rechts darstellt, ist das bei dem Pfarrverband neuen Typs anders: Hier konstituieren die Kirchengemeinden »eine neue Körperschaft öffentlichen Rechts«, wobei die Kirchengemeinden – im Unterschied zur Gemeindefusion – den Körperschaftsstatus behalten. Die »Pfarrstellen- und Anstellungsträgerschaft« liegt hier jedoch beim Pfarrverband neuen Typs (der in der Evang.-luth. Kirche Sachsens unter dem Titel »Kirchspiel« bekannt ist).

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Bei der Befragung wurde deutlich, dass die Hälfte der braunschweigischen Pfarrerinnen und Pfarrer (49%) in einem Pfarrverband alten Typs arbeiten. Diese Kooperationsform wird insgesamt eher positiv eingeschätzt – und zwar unabhängig davon, ob die Befragten selber in diesem Modell arbeiten oder nicht. Am positivsten ist die Einschätzung im Hinblick auf Autonomie/Freiheit (Mittelwert von 2,08 auf einer Skala von 1 = sehr positiv bis 5 = sehr negativ). (Eher) positiv gesehen wird der Pfarrverband alten Typs auch im Hinblick auf Items wie: ehrenamtliche Mitarbeit, Mitspracherecht, Vertrauen, Kreativität, Aufgabenvielfalt und Engagement.

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Mit den anderen beiden Kooperationsformen, der fusionierten Einheitsgemeinde und dem Pfarrverband neuen Typs, haben bislang knapp 6% der braunschweigischen Pfarrerinnen und Pfarrer eigene Erfahrungen gemacht. Nach ihren Erwartungen gefragt, befürchten die Kolleginnen und Kollegen bei beiden Modellen am stärksten einen Rückgang bei der Freiheit/Autonomie (Mittelwerte 3,65 bzw. 3,78 auf einer Skala von 1 = nimmt stark zu bis 5 = nimmt stark ab). Hier mag eine Rolle spielen, dass beide Modelle deutlich verbindlicher sind als der Pfarrverband alten Typs. Beide Modelle werden mit einer Zunahme der Teamarbeit und auch mit der Konzentration auf Stärken in Verbindung gebracht. Was die Organisationsseite angeht, unterscheidet sich die Einschätzung der beiden Modelle jedoch: Beim Pfarrverband neuen Typs werden deutlich mehr Sitzungen und ein erhöhter Verwaltungsaufwand als bei der Einheitsgemeinde erwartet.

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