Bayern: „Kirche braucht Gesicht, nicht Profil.“ Dekanatssynode Würzburg fordert Moratorium für „Profil und Konzentration“ (PuK)

In der Begründung zum Antrag heißt es u.a: „Kirche braucht Gesicht, nicht Profil. Unsere Kirche lebt von überschaubaren und gemeinschaftsorientierten Kommunikationsformen. Diese verwirklichen sich vor allem in den Gemeinden von überschaubarer Größe, hier ist auch die Bedeutung intakter Landgemeinden hervorzuheben. Beinahe alle Menschen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen und Mitglieder sind, wurden in den überschaubaren Zusammenhängen einer Kirchengemeinde oder des Religionsunterrichts von der Botschaft des Evangeliums berührt. Auch Menschen, die später in Bildungseinrichtungen, bei kirchlichen Initiativen oder Bewegungen mitarbeiten oder sich kirchlich beheimaten, haben in einer Kirchengemeinde ihr Christenleben begonnen. Nicht zu unterschätzen ist hier die Bedeutung der Kasualien. Generell wird in Frage gestellt, ob eine Kirchenreform von „oben nach unten“ unserem Selbstverständnis als Kirche der Reformation entspricht und deshalb möglich und wünschenswert ist.“

Und unter Punkt 2, „Die Erkenntnisse der fünften Kirchenmitgliedschaftuntersuchung“ heißt es weiter:

Die Kirchengemeinden weisen einhellig auf die Bedeutung der Pfarrperson für die Bindung der Gemeindeglieder an die Kirche hin. Das schwedische Modell einer Kirche mit bürokratisch organisierten Zentralpfarrämtern wird einhellig abgelehnt. Zentralisierung kann es in der Verwaltung geben, nicht bei den Pfarrerinnen und Pfarrern.
Sowohl in dieser Untersuchung wie auch in kirchensoziologischen Forschungen (Isolde Karle) wird die Bedeutung der Pfarrperson herausgearbeitet. „Die Person des Gemeindepfarrers und der Gemeindepfarrerin hat für viele eine integrierende Funktion, weil man ihr in den verschiedensten Feldern gemeindlichen Lebens begegnet. Dies schafft nicht nur Vertrauen, sondern vermag auch über den persönlichen Kontakt genau jene Querverbindungen von der Seelsorge zur Verkündigung zum Konfirmandenunterricht und zurück herzustellen, die ansonsten in sich ausdifferenziert blieben und damit wichtige Kommunikationsmöglichkeiten gar nicht entstehen ließen: Die Kontinuität derselben Berufsperson in verschiedenen kirchlichen Kommunikationszusammenhängen spielt aufgrund des Vertrauens eine zentrale Rolle im Pfarramt“ (Isolde Karle bereits 2004 im Dt. Pfarrerblatt). Diese Einsichten werden von der Kirchenmitgliedschaftsstudie aus dem Jahr 2014 bestätigt.
Vor diesem Hintergrund werden multiprofessionelle Teams als nicht unproblematisch gesehen. Es wird auf die nicht einfachen, parallelen Erfahrungen der katholischen Schwesterkirche verwiesen.
Selbstverständlich muss eine hervorragende Vernetzung und Zusammenarbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer mit den Mitgliedern der anderen Berufsgruppen angestrebt sein. Die besondere Bedeutung des Gemeindepfarramtes darf aber nicht abgewertet werden. Kirche erreicht durch Arbeitsfelder vor Ort in der Kirchengemeinde (z.B. Kasualien, Schule, Kindertagesstätten, Altenheimen usw.) und durch überparochiale Dienste mehr Kirchenferne als in „Profil und Konzentration“ dargestellt.


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