Lyrik für die Sonntagsreden

Zum 80. Jahrestag erfreut sich die dritte These, in der die Kirche vorgestellt wird als „die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt“, besonderer Aufmerksamkeit. Diese Gemeinde habe mit ihrem Glauben, ihrem Gehorsam, ihrer Botschaft und mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass „sie allein sein Eigentum ist“. Die Frage stellt sich, ob es irgendeinen Anhaltspunkt in den aktuellen Debatten für die Gültigkeit dieses Kirchenverständnisses gibt. Irgendwie erscheint diese These im Blick auf die gegenwärtige „Kirche im Reformstress“ (Isolde Karle) nur noch als theologische Lyrik für die Sonntagsreden.

Die gegenwärtige Richtung, so sagen die Kritiker, werde eher durch den Verwerfungssatz der dritten These beschrieben: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“ Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Kirche nicht nur durch ihre Botschaft, sondern auch durch ihre Ordnung das Evangelium Jesu Christi bezeugt. Für die Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus war das unmittelbar einleuchtend. Ein Pfarrer, der Teil des nationalsozialistischen Machtapparates ist, kann nicht glaubwürdig über die in Christus geschenkte Freiheit predigen.

Schwerer zu verstehen ist jedoch, warum für die Kirche im demokratischen Staat das gleiche gilt. Aber ein – wie in „Kirche der Freiheit“ geforderter – Umbau der Kirche nach den Vorstellungen von Unternehmensberatern, die zu möglichst effizienten Führungsstrukturen auf Kosten der Mitbestimmung in den Synoden raten, kann auch die frohe Botschaft verdunkeln. Wie sollte ein Angestellter des Unternehmens Kirche glaubhaft über den Barmen III vorgestellten Text Eph 4, 15-16 predigen?

→ den kompletten Artikel von Martin Schuck lesen

Download PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.