Deregulieren – und die Kirche im Dorf lassen Landeskirchenamt: Mehr intelligente Deregulierung bei Vorgaben der Landeskirche

Es sind Sätze, die aufhorchen lassen: Auf der Herbstsynode des Kirchenkreises An der Agger überbrachte der Vizepräses der EKiR, Christoph Pistorius, eine Nachricht des Präses Manfred Rekowski, die vor allem den Superintendenten erfreute: „Man brauche mehr intelligente Deregulierung bei Vorgaben der Landeskirche, zitierte Pistorius deren leitenden Geistlichen. Diese »bemerkenswerte Anweisung«, so Superintendent Knabe, erlaube den Gemeinden »Einzellösungen auf der lokalen Ebene zu finden«. Ein Punkt, der bei der geplanten Reform der Verwaltungsstruktur große Bedeutung erfahren könnte. Und weil dies ebenfalls auf der Forderung nach neuen Dialogen basiert, verstanden die Gemeindevertreter die jüngste Synode als starkes Votum für ein neues Miteinander.“ Artikel lesen

Download PDF

Wird unsere zentralisierte Verwaltung in Zukunft noch teurer? "Gemeinde im Aufwind" in der Nordkirche weist auf EU-Recht zum erhöhten Mehrwertsteuersatz für Verwaltungen hin.

Dass eine Kosten-Nutzenanalyse der Verwaltungsstrukturreform in vielen Bereichen eher bescheiden ausfällt, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Nun wurde auf einer Veranstaltung der Nordkirche zum Kirchenkreisverwaltungsgesetz auf eine Problematik aufmerksam gemacht, die bisher wohl nicht im Fokus der Landeskirchen lag. Möglicherweise müssen in Zukunft alle verwaltungsmäßigen Dienstleitungen, auch die zwischen Körperschaften des öffentlichen Rechts erbrachten, mit einer Umsatzsteuer von 19 % belegt werden. Artikel lesen

Download PDF

EKD ist Kirche? Widerspruch!

Die EKD hat sich durch ihre Synode während ihrer Tagung in Bremen vom 4. – 11. November 2015 tatsächlich zur Kirche im theologischen Sinne erhoben. Im „Beschluss zum Kirchengesetz zur Änderung der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland“ heißt es:

Artikel 1 Absatz 1 der Grundordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 13. Juli 1948 (ABl. EKD S. 233), in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. November 2003 (ABl. EKD 2004 S. 1), die zuletzt durch Kirchengesetz vom 12. November 2013 (ABl. EKD 2013 S. 446) geändert worden ist, wird wie folgt gefasst:

„(1) Die Evangelische Kirche in Deutschland ist die Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Sie versteht sich als Teil der einen Kirche Jesu Christi. Sie achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden und setzt voraus, dass sie ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen. Sie ist als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen Kirche.“

Dieser Beschluss kann nicht unwidersprochen stehen bleiben und sollte schon gar nicht von den Landeskirchen einfach abgenickt werden. Denn er steht theologisch auf tönernen Füßen, die wegbrechen, wenn sich die EKD und ihre Gliedkirchen an ihre eigenen Vorgaben halten.

Im geänderten Artikel 1 heißt es: Die EKD „achtet die Bekenntnisgrundlage der Gliedkirchen und Gemeinden“. Das bedeutet, dass sie sich diese Bekenntnisse zu eigen macht bzw. ihnen nicht widersprechen will. In der Kirchenordnung z.B. der Evangelischen Kirche im Rheinland wird jedoch direkten Bezug auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934 genommen. Im Grundartikel I, Abs. 6 heißt es: „Sie (die Evangelische Kirche im Rheinland) bejaht die Theologische Erklärung der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche von Barmen als eine schriftgemäße, für den Dienst der Kirche verbindliche Bezeugung des Evangeliums.“ Pfarrerinnen und Pfarrer wurden und werden u.a. auch unter diesem Bekenntnis ordiniert.

Nun definiert die dritte Barmer These Kirche wie folgt: „Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt.“ (→ Quelle) Damit folgt Barmen III dem Augsburgischen Bekenntnis aus dem Jahre 1530, insbesondere dem 7. Artikel (Confessio Augustana 7), in dem es heißt: „Es wird auch gelehrt, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden.“ (→ Quelle)

Als „Versammlung aller Gläubigen“ (CA 7) und „Gemeinde“ (Barmen III) ist aber eine konkrete Gemeinschaft von Menschen gemeint, wie sie z.B. eine parochiale Kirchengemeinde bildet. Dieses Verständnis von Kirche ist auch schon im neutestamentlichen Begriff „ekklesia“ intendiert, der ursprünglich die profane Volksversammlung meinte (→ Quelle) und den Paulus als Bezeichnung von Kirche auf die christlichen Urgemeinden – sicher nicht unüberlegt – übertrug. (Siehe hierzu den erhellenden Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Mechels → Quelle).

Der Kirchenbegriff der EKD ist aber ein völlig anderer – und das, obwohl sie selbst in ihrer Grundordnung Art. 3 ausdrücklich auf Barmen verweist und „sich verpflichtet, als bekennende Kirche die Erkenntnisse des Kirchenkampfes über Wesen, Auftrag und Ordnung der Kirche zur Auswirkung zu bringen.“ (→ Quelle) Nun heißt es aber in der Neufassung: „Sie (die EKD) ist als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen Kirche“. Hier ist zwar das konstituierende Element der Gemeinschaft genannt. Aber zum einen ist damit keine konkrete Gemeinde bzw. Versammlung von Gläubigen gemeint, sondern Institutionen! Zum anderen fehlt völlig der direkte Bezug auf Wort und Sakrament! Dieser kann zwar aus dem vorherigen Passus („Sie (die EKD) … setzt voraus, dass sie (ihre Gliedkirchen) ihr Bekenntnis in Lehre, Leben und Ordnung der Kirche wirksam werden lassen“) herausgelesen werden. Jedoch ist von einer evangeliumsgemäßen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung der EKD selbst keine Rede! Diese ist aber sowohl nach CA 7 und Barmen III Voraussetzung dafür, dass sich Jesus Christus in der Gemeinschaft ereignet und damit Kirche konstituiert.

Darüber hinaus ist das Verfahren der Selbsterklärung zur Kirche zu hinterfragen. Hat es in den einzelnen Landeskirchen, auf Kirchenkreis- bzw. Dekanatsebene und vor allem in den Ortsgemeinden einen intensiven Informations- und Diskussionsprozess zu dieser Frage gegeben? Meines Wissens nicht. Das passt jedoch zum inzwischen höchst bedenklichen Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der EKD-Führung, die seit spätestens 2006 mehr „ex cathedra“ als basisorientiert agiert. Auch das sollte nicht nur unseren landeskirchlichen Synodalen zu denken geben. Denn damit entwickelt sich der Dachverband EKD immer mehr zu einer Deutschen Evangelischen Kirche mit körperschaftlichem Rechtsstatus, die noch unabhängiger von der Basis Entscheidungen fällen und bis zur ersten Ebene durchsetzen kann. Von einer von unten aufgebaute evangelische Kirche kann spätestens dann nicht mehr gesprochen werden!

Es wird sich zeigen, ob die einzelnen Landeskirchen diese Gesetzesänderung ratifizieren. Wir werden dann wissen, wie viel Evangelisches noch in ihnen steckt oder ob sie ihr Selbstbewusstein schon längst an den Nagel gehängt haben.

Download PDF

Bevor der Karren noch tiefer in den Dreck fährt Ein wesentlicher Bestandteil, der bei der Umsetzung von Reformvorhaben eine Rolle spielt, ist die personelle Besetzung der kirchlichen Gremien.

Was haben die EKD und die skandalträchtigen Unternehmen VW, Deutsche Bank und der DFB gemeinsam? Denselben Unternehmensberater! McKinsey. Pfarrerin Anne Lungová aus Geilenkirchen analysiert im aktuellen Pfarrerblatt beispielhaft die vielschichtigen Verflechtungen zwischen EKD, Wirtschaft und Politik und befürchtet, dass der Kirchenkarren durch das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ noch tiefer in den Dreck gezogen wird, wenn nicht ein Umdenken stattfindet. Artikel lesen

Download PDF

„Verwaltung wächst, Seelsorge schrumpft“ Der Vorsitzende des Evangelischen Pfarrvereins im Rheinland lobt die Arbeit unseres Vereins.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazin „idea-Spektrum“ kritisiert der Vorsitzende des Evangelischen Pfarrverein im Rheinland (epir) die derzeitige Landeskirchenpolitik. „In den Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland wird es bald mehr Mitarbeiter in der Verwaltung geben als in der Verkündigung und in der Seelsorge.“, zitiert das Blatt Friedhelm Maurer in seiner Ausgabe Nr. 46. Artikel lesen

Download PDF

Gemeinden werden ausgetrocknet Aus organisationstheoretischer Sicht wird erklärt, dass Gemeinden nur kostenintensiv und unproduktiv seien

»Aus organisationstheoretischer Sicht wird erklärt, dass Gemeinden nur kostenintensiv und unproduktiv seien. Nachdem es nicht populär ist, ganz offen die Abschaffung von Gemeinden zu fordern, der gute Rat im Artikel für die Organisation Kirche: „Wenn du einen Teich auspumpen willst, frage nicht die Frösche.“« Artikel lesen

Download PDF

Barmen 3: Die Kirche ist die Gemeinde! In seinem Vortrag über die Barmer Theologische Erklärung und ihre Bedeutung für heute stellt Prof. Dr. Mechels die Gemeinde als konstituierendes Element der Kirche heraus

Gerade hat die Synode in Bremen mit Hilfe einer Verfassungsänderung beschlossen, dass die EKD Kirche sei. Damit steht sie aber nach Meinung Prof. Dr. Mechels in eklatantem Widerspruch zur Barmer Theologischen Erklärung. Denn in Barmen III heißt es: Die Kirche ist die Gemeinde! Wir dokumentieren Auszüge aus seinem Vortrag „Die Barmer Theologische Erklärung und ihre Bedeutung heute“, den wir auch als Download zur Verfügung stellen. Artikel lesen

Download PDF

Die Schwarzmalerei der Prognostiker Friedhelm Schneider analysiert die Zahlenspiele der Kirchenfinanzler in der EKHN

„Finanzanalysen und -pognosen kann man auch unter literarkritischen Gesichtspunkten als Texte analysieren. Dann fallen über ein Jahrzehnt hin deutliche Struktur-Parallelen auf: in einem ersten Abschnitt wird die zurückliegende, tatsächlich positive Entwicklung erwähnt. In einem zweiten Abschnitt wird dann dargelegt, dass diese zurückliegenden Ergebnisse untauglich sind für die Grundlage einer Zukunftsprognose.“ Artikel lesen

Download PDF

„In der EKD interessiert sich keiner für die Gemeinden.“ Partys, Posen Protestanten: Siegfried Eckert zum Reformationsjubiläum 2017

„Der organisierte Protestantismus ist sich unsicher, wie gefeiert werden soll. Die Schar der Gratulanten scheint erwartungsvoller als das Geburtstagskind selbst. In einem von Pastorentöchtern, Pastoren und protestantischen Ministern regierten Land fehlt ein Roman Herzog, der kleingläubigen Christenmenschen eine Ruck-Rede hält. Katholiken können einfach ausgelassener feiern. Auch darin blieb Martin Luther katholisch. Er liebte üppiges Essen, gesellige Gelage und das Bier seiner Herrin Käthe. Von Diäten hielt er nichts.“ Artikel lesen

Download PDF