106.000 Euro für Verwaltung: Kirchengemeinde droht der Kollaps Die Ev. Kgm. Rheinberg aus dem Kirchenkreis Moers sieht u.a. die Verwaltungsstrukturreform und NKF als Grund für ihre finanziell schlechte Lage.

„Es kann uns sogar passieren, dass wir am Ende des Jahres zahlungsunfähig sind.“ Diese düstere Prognose stellt Pfarrer Udo Otten angesichts des Haushaltsentwurfs für die Evangelische Kirchengemeinde Rheinberg, der ein Minus von 138 000 Euro voraussieht. Die Gründe für die akute wirtschaftliche Misere seien vielfältig, aber aus Sicht des Seelsorgers auf gar keinen Fall auf eine unsolide Haushaltsführung des Presbyteriums zurückzuführen.

Ein weiterer Grund liegt nach Ansicht des Pfarrers in der neuen Verwaltungsstruktur des Kirchenkreises Moers: „Im neuen Verwaltungsamt sind zwar viel mehr Mitarbeiter beschäftigt, auf die Qualität wirkt sich das aber nicht aus. Wir warten immer noch auf die Bilanz aus dem Jahr 2012.“ Dazu verursacht diese neue Verwaltung enorme Kosten. 106 800 Euro muss die Gemeinde heute schon dafür bezahlen, künftig werden es jährlich 10 000 Euro mehr, prognostiziert Otten. Hinzu kommt die Umstellung auf das „Neue kirchliche Finanzwesen“, mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gemeinde. „Diese doppelte Buchführung hat über Nacht dazu geführt, dass unsere Kirchengemeinde aufgrund von Gebäudeabschreibungen, Zwangsrücklagen und Zwangspauschalen ein unglaubliches Defizit anhäuft, obwohl sich an unserer sparsamen Ausgabenpolitik nichts geändert hat.“

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5 Beiträge
  1. Als Mitglied der Kirchengemeinde Rheinberg und kirchlicher Verwaltungsmitarbeiter finde ich die Berichterstattung schon sehr einseitig. Auch die übrigen Arbeitsbereiche in einer Gemeinde kosten viel Geld. Überall da, wo die Gemeinde Personalverantwortung hat, steigen die Kosten. Das hängt u. a. mit den regelmäßigen Tariferhöhungen zusammen, über die wir uns einerseits freuen, aber die eben andererseits auch ein Kostenfaktor sind.
    Mitarbeitende in der kirchl. Verwaltung müssen sich in diesen Zeiten eine Menge anhören. Die überwiegende Mehrheit sind engagierte Mitarbeitende und ihrer Kirche verbunden. Beschimpfungen, dass wir zu teuer seien und nicht effektiv, sind sicher nicht gerade motivierend.
    Wir führen nur die Beschlüsse aus, die die Presbyterien, Kreissynodalvorstand, Kreissynode und Landessynode gefasst haben.

    • Lieber Herr Dion,

      ich bin mit Ihnen vollkommen d’accord: Die Mitarbeitenden in den Verwaltungen können einem Leid tun, sie müssen schließlich den Schlamassel, der von oben angerichtet wurde, umsetzen und gegenüber den Gemeinden ausbaden. Daher werden Sie von KirchenBunt keine Beschimpfungen in irgendeiner Form finden.

      Das Problem sind ja nicht die Menschen, sondern der Kurs, der derzeit in unserer Landeskirche vorherrscht und unterm dem viele leiden. Im Vertrauen klagen Verwaltungsangestellte und auch -leiter über die immens gestiegenen Anforderungen, laut sagt das aber bisher noch niemand.

      Es geht uns ja nicht nur um die Kosten, sondern auch um die Funktionalität und Praktikabilität der eingeleiteten „Reformmaßnahmen“. Und da hapert es doch an vielen Stellen sehr. Daran sind weder Verwaltungsmitarbeiter noch Kirchengemeinden Schuld, sondern eine wenig vorausschauende Planung der Verantwortlichen in Düsseldorf. Gegen zentrale Verwaltungsämter, so sie denn ihre eigentliche Aufgabe erfüllen, habe ich nichts. Aber mit der Zentralisierung hat zugleich ein Zentralismus Einzug gehalten, der meinem Verständnis von evangelischer Kirche zutiefst widerspricht.

      Sobald „KirchenBunt“ in einen Verein überführt wurde, werden wir den Dialog mit den unterschiedlichen Ebenen suchen und hoffen, auf Gesprächsbereitschaft zu stoßen – auch in den Verwaltungsämtern.

      In diesem Sinne herzliche Grüße,
      Andreas Reinhold.

  2. La fraternité ou la mort! Hier muss eine ganz andere Reißleine gezogen werden, nämlich bei der Landeskirche! Wo sind die Landessynodalen, die angesichts dieser unglaublichen Entwicklung endlich begreifen, dass die Landeskirche rücksichtslos einen ganz unsäglichen Kurs verfolgt? Funktionierende Kirchengemeinden werden einem System geopfert! Nochmals: Cui bono? Etwa denen, denen die Kirche dienen soll? Mitnichten.

  3. Interessant ist ja auch der zweite Artikel, indem m.E. der Kirchengemeinde unverhohlen gedroht wird. Zitat:

    Theoretisch könne der Kirchenkreis das Presbyterium als Entscheidungsorgan der Rheinberger Gemeinde auch absetzen und durch einen Bevollmächtigten ersetzen, „aber das haben wir derzeit nicht vor …“

    Das kann ja wohl nicht wahr sein!

  4. Das was hier beschrieben wurde, ist in anderen Kirchenkreisen schon passiert; mit allen „Guten“ und „Schlechten“ Nebenwirkungen. Im KK Duisburg „musste“ ein Presbyterium schon zurücktreten. Wie können wir in Zukunft Menschen dafür begeistern Leitungsaufgaben in unserer Kirche zu übernehmen , wenn ihnen alle Optionen, und nicht zuletzt die Unterstützung der mittleren und oberen Ebene, genommen werden?

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